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Stadionpfarrer Eugen Eckert : Von Foulspiel, Reue und Vergebung

Das Kreuz an der Wand der Stadionkapelle halten manche für ein Pluszeichen, aber auch das kann Pfarrer Eugen Eckert nicht aus dem Konzept bringen. Bild: Röth, Frank

„Wir sollten als Kirche nicht jammern, sondern uns etwas einfallen lassen“: So lautet ein Wahlspruch von Eugen Eckert, Stadionpfarrer in Frankfurts Fußball-Arena. Sich immer wieder neu zu motivieren, dabei hilft dem Neunundfünfzigjährigen nicht nur der Glaube, sondern auch seine Liebe zur Musik und zum Sport.

          Die Kerben in dem dunklen, afrikanischen Holz sind deutlich zu sehen und, besser noch, zu fühlen. Es ist so, als stünden Altar, Pult, Taufbecken und Kerzenständer in der Kapelle für das Leben derer, die sie besuchen. Welches Leben verläuft schon glatt? Der Stuttgarter Künstler Werner Pokorny wollte jedenfalls, dass dem Holz die Spuren der Bearbeitung anzusehen bleiben. Eugen Eckert will auf seine Art und Weise auch Spuren hinterlassen: mit der Botschaft von Gott, die dem Leben Weite geben soll. Eckert ist evangelischer Pfarrer, aber nicht in einer klassischen Gemeinde tätig. Die Kapelle mit dem kunstvoll bearbeiteten Holz liegt in der Commerzbank-Arena. Eugen Eckert ist Stadionpfarrer. Er mag prägnante Sätze wie diesen: „Ein Leben ohne Gott ist wie Fußball ohne Ball.“

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seine Evangelische Kirche in Hessen und Nassau stellt für die Arbeit in der Arena eine halbe Personalstelle zur Verfügung; mit der anderen Hälfte ist Eckert Studentenpfarrer in Frankfurt. Auch ein Feld, für das nicht jeder Geistliche geschaffen ist. Eckert ist es. Im Stadion ist er seit 2007. „Es ist schön, hier zu arbeiten“, sagt er. „Es gibt keine Routine.“

          Taufe und Heirat

          Eckert, 59 Jahre alt, schätzt den Gestaltungsspielraum, den gerade diese Stelle bietet, nicht nur, er nutzt ihn auch. Sei es, dass er in der „offenen Kirche“ im Rahmen von Konzerten Kontakt zu Menschen knüpft, Hochzeiten und Taufen feiert, mit Konfirmanden und anderen Interessierten zusammenkommt, mit bekannten Persönlichkeiten in der Reihe „Anstoß“ Diskussionsabende im direkt benachbarten Eintracht-Museum veranstaltet oder die Kapelle auch bei der Nacht der Museen offen hält.

          Die katholische Kirche hat keinen eigenen Seelsorger dort, obwohl die Kapelle ein ökumenisches Projekt ist. Wenn Katholiken ihr Kind taufen lassen oder heiraten wollen, muss Eckert sie an die Pfarrei Mutter vom Guten Rat in Niederrad verweisen, auf deren Gebiet das Stadion liegt. Er selbst hat in der Kapelle schon 47 Mal die Taufe gespendet, elf Paare haben sich dort ihr Jawort gegeben. Bei der ein oder anderen Feier ist auch Falkner Norbert Lawitschka mit „Attila“ dabei, dem Steinadler, der der Eintracht als Maskottchen dient.

          Für Konfirmanden ist das Kreuz ein Pluszeichen

          Während der Spiele ist die Kapelle nur eingeschränkt zugänglich; sie liegt hinter am Eingang zum Businessbereich des Stadions, in den nicht jedermann kommt. Vermutlich könnte man es relativ leicht bewerkstelligen, dass alle Interessierten den im Erdgeschoss liegenden Raum trotzdem betreten können, doch über mangelnde Resonanz muss sich Eckert ohnehin nicht beklagen - zumal die Kapelle ansonsten offen steht.

          Für Konfirmanden zum Beispiel, die das Kreuz in dem Raum schon einmal für ein Pluszeichen halten. Für Eckert ist das kein Problem: Dann erläutert er eben mit Hilfe von Gottes „Plus“, dass nach christlicher Überzeugung der Tod nicht das Ende des Lebens ist. Wer an einer Stelle wie der im Stadion arbeitet, muss nicht selten den Spagat zwischen einer verständlichen und zugleich theologisch verantwortbaren Verkündigung meistern.

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