https://www.faz.net/-gzg-7eevc

Leichtathletik-WM : Ein schlagkräftiges Grüppchen aus Frankfurt

Frankfurter WM-Hoffnungen: Gesa Felicitas Krause, U-23-Europameisterin im 3000-Meter-Hindernislauf... Bild: dpa

Sechs Eintracht-Sportler sind bei der Leichtathletik-WM in Moskau dabei. Besonders für Pascal Behrenbruch und Betty Heidler stehen die Chancen gut.

          2 Min.

          Hoffentlich macht dieses Lob Pascal Behrenbruch nicht zu übermütig. Bescheidenheit ist ja nicht gerade die Stärke des 28 Jahre alten Zehnkämpfers von der LG Eintracht Frankfurt. Und nun hat ihn Olympiasieger Ashton Eaton doch tatsächlich als ernsthaften Konkurrenten um den Zehnkampf-Titel bei den am Samstag in Moskau beginnenden Leichtathletik-Weltmeisterschaften bezeichnet. Behrenbruch, ließ der 25 Jahre alte Amerikaner und Weltrekordhalter wissen, sei „sehr talentiert. Wenn er im Wettkampf Spaß hat und sich nicht zu sehr unter Druck setzt, kann er bei dieser WM viel erreichen.“

          Behrenbruch war 2012 Europameister und führt in diesem Jahr mit 8514 Punkten die Weltjahresbestenliste an. Aus dem olympischen Desaster in London, als dem selbsternannten Medaillenkandidaten die Kräfte ausgingen und er den zehnten Platz belegte, hat er gelernt: Er trainiert einfach weniger. Behrenbruch hat sich für Moskau in Tallinn vorbereitet, dort, wo er seit November 2011 seinen Trainingsmittelpunkt hat. In Estland ist ihm kürzlich auch Eaton über den Weg gelaufen. „Ich habe ihn trainieren sehen, das war schon ziemlich beeindruckend“, sagt Behrenbruch, der dennoch eine Medaille im Blick hat. Es muss ja nicht unbedingt Gold sein. Und in diesen Tagen, da deutsche Doping-Vergangenheit und internationale Doping-Gegenwart für Wirbel sorgen, muss natürlich die Frage der Fragen gestellt werden: „100 Prozent clean“, sagt Behrenbruch in eigener Sache. Und beim Kollegen Eaton kann er sich zumindest nichts Illegales vorstellen, obwohl es hart sei, ohne Doping 9000 Punkte - wie Eaton - zu machen.

          In Moskau, um zu lernen

          Behrenbruch, der in Moskau gleich am Eröffnungswochenende antritt, ist einer von sechs Eintracht-Athleten im aus 67 Sportlern bestehenden WM-Aufgebot des Deutschen Leichathletik-Verbandes. Und er ist nicht der Einzige mit Perspektiven. Seine Siebenkampf-Kollegin Claudia Rath hat mit 6317 Punkten und Platz zwei bei der WM-Qualifikation in Ratingen das Tor zur Weltklasse aufgestoßen. Was in Moskau für die 27 Jahre alte Frau sprechen könnte, ist auch die Abwesenheit der drei olympischen Medaillengewinnerinnen. Sie hat also eine kleine Außenseiterchance.

          Von Homiyu Tesfaye kann man das nicht erwarten. Der vor kurzem eingebürgerte Äthiopier, über dessen Alter es Irritationen gegeben hat, ist zwar bei den deutschen Meisterschaften durch ein wahnwitziges 800-Meter-Rennen aufgefallen, gegen seine ostafrikanischen Kollegen hat er aber wohl keine Chance. Der offiziell Zwanzigjährige ist in Moskau über 1500 Meter dabei, um zu lernen.

          Die einzige noch aktive Weltrekordinhaberin aus Deutschland

          Aus diesem Stadium ist Gesa Felicitas Krause schon heraus, auch wenn die 3000-Meter-Hindernisläuferin mit WM- und Olympia-Erfahrung erst 21 Jahre alt geworden ist. Einen internationalen Titel hat sie in diesem Jahr schon gewonnen: U-23-Europameisterin. Sie steht erst am Anfang ihrer Karriere und hat noch Reserven. Ihr Ziel ist der Endlauf.

          ... und der Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch.

          Wenn man über hessische WM-Medaillen spricht, dann kommt man an einer nicht vorbei, auch wenn sie Berlinerin ist: Betty Heidler. Die Neunundzwanzigjährige ist die einzige noch aktive Weltrekordinhaberin aus Deutschland. 79,42 Meter weit flog ihr Hammer 2011 - das ist immer noch unübertroffen. Auch wenn es in dieser Saison bislang etwas bescheidener zugeht, mit ihrer Erfahrung gehört die Weltmeisterin von 2007 und Olympiadritte von 2012 zu den Favoritinnen. Den WM-Feinschliff hat sie sich - wie ihre Vereinskollegin Kathrin Klaas - im Trainingslager in Kienbaum geholt. Großen Druck verspürt sie nicht. Der lastet auf der Jahresbesten, der Russin Tatjana Lysenko. „So ging es mir 2009 bei der Heim-WM in Berlin“, sagt Betty Heidler. Damals hat ihr die Polin Anita Wlodarczyk den Titel weggeschnappt. Jetzt sieht Betty Heidler sich in der Rolle der Spielverderberin. Die knapp zehn Prozent Hessen im deutschen WM-Trikot sind zwar nur ein Grüppchen - aber ein schlagkräftiges.

          Weitere Themen

          Immerhin auf die Frauen ist Verlass

          Bilanz der Biathlon-WM : Immerhin auf die Frauen ist Verlass

          Problemzone Schießstand: Die deutschen Männer enttäuschen bei der WM mit allzu vielen Fahrkarten. Bei Benedikt Doll liegt das Selbstvertrauen gar bei „minus zehn“. Dafür überraschen die Frauen mit Bestform zum Saisonhöhepunkt.

          „Gierig immer mehr Stunden aufgeschrieben“

          Prozess in Frankfurt : „Gierig immer mehr Stunden aufgeschrieben“

          Jahrelang hat ein OP-Pfleger in einer Klinik mehr abgerechnet, als er gearbeitet hat. Das Landgericht hat ihn nun wegen Betrugs verurteilt - und gesagt: Er kam nur damit durch, weil das Krankenhaus ein „Selbstbedienungsladen“ war.

          Topmeldungen

          Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse.

          Angst vor dem Virus : Breiter Kursverfall an den Weltbörsen

          Das Coronavirus infiziert immer mehr Menschen außerhalb Chinas. Die Sorgen vor dem Virus haben schon 3 Billionen Euro Börsenwert vernichtet. Ein Ende ist nicht in Sicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.