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Hans-Joachim Tonnellier : Der Schwimmer im Haifischbecken

Viel erreicht: Hans-Joachim Tonnellier. Bild: Pilar, Daniel

In 15 Jahren als Vorstandsvorsitzender hat Hans-Joachim Tonnellier die Frankfurter Volksbank zu einem der wichtigsten Regionalinstitute gemacht.

          4 Min.

          Es ist ein Abschied nach Maß. Wenn Mittwochabend die Vertreterversammlung der Frankfurter Volksbank im Congress-Center der Messe zusammenkommt, muss sie über eine Fusion entscheiden, die mit der Volksbank Griesheim-Weiterstadt. Welch bessere Ouvertüre könnte es geben für den zweiten großen Tagesordnungspunkt des Abends, den Stabwechsel von dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Hans-Joachim Tonnellier an Eva Wunsch-Weber? Überraschungen dürfte es nicht geben, im Fusionieren sind die Genossen routiniert. 13 Mal hat Tonnellier sie schon um ihre Zustimmung zu Zusammenschlüssen mit anderen Volksbanken gebeten, das 14:0, wie der Fußballfreund es selbst kürzlich nannte, soll sein Finale werden.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als der 1948 in Saarlouis geborene Tonnellier im Juli 1997 den Vorstandsvorsitz übernahm, beschränkte sich die Frankfurter Volksbank tatsächlich noch auf die Mainmetropole, wenn er morgen Abend in den Ruhestand geht, übernimmt seine Nachfolgerin eine Bank, deren Geschäftsgebiet sich von Kelkheim im Westen bis Hanau im Osten, von Weilburg im Norden bis eben Griesheim im Süden erstreckt. Die zweitgrößte Volksbank in Deutschland, gemessen an der Ertragsstärke sogar die Nummer eins.

          Tonnellier ist Diplomat

          Eine Bank, die 14 andere übernimmt, könnte man Krake nennen. Doch ein solcher Begriff passt nicht zu Tonnelliers Volksbank. Schon das Wort „Übernahme“ benutzt man unter den Genossen nicht. Auch wenn die Frankfurter immer der größere Part waren, war es Tonnellier stets wichtig, von Fusionen „auf Augenhöhe“ zu sprechen. Kreditgenossenschaften, die ihren Kunden gehören, könnten sich nur zusammenschließen, wenn alle mitmachen, so seine Losung. Und die Mitglieder, Kunden und Mitarbeiter von den Vorteilen einer größeren Volksbank zu überzeugen ist ihm offensichtlich 14 Mal gelungen - mit Hilfe von Beschäftigungsgarantien, der Aussicht auf bessere Karrierechancen und dem Respekt vor der regionalen Identität jedes Instituts.

          Tonnellier ist Diplomat. Feinfühlig, manchmal selbst etwas sensibel. Als Triangelspieler bezeichnete Petra Roth ihn, als sie ihm 2009 im Römer die Ehrenplakette der Stadt verlieh. Die Oberbürgermeisterin griff damit eine Antwort auf, die der stets bescheiden auftretende Tonnellier selbst einmal in einem Interview gegeben hatte auf die Frage, welche Rolle er in einem Orchester spielen könne. Roth schmückte die Metapher weiter aus: Durch punktuelle Signale den Takt und den Rhythmus geben und dabei sich selbst in den Hintergrund stellen, das zeichne Tonnellier aus.

          Nicht nur aus Harmoniebedürfnis

          Die Gabe zur stillen Diplomatie stellte er auch in seiner kurzen Zeit als Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt unter Beweis. 2007 hatte sich die Vollversammlung der IHK heillos zerstritten, die Auseinandersetzungen gipfelten in der Absetzung des damaligen Präsidenten Joachim von Harbou. Wie selbstverständlich übernahm der auf allen Seiten satisfaktionsfähige Tonnellier daraufhin die Führung und schaffte es innerhalb weniger Monate, Ruhe in die Reihen zu bringen. Als er nach nur eineinhalb Jahren ankündigte, keine zweite Amtszeit anzustreben, äußerten viele der Unternehmer ihr Bedauern. Der Vorstandsvorsitzende eines Instituts, das sich als „mittelständische Bank für Mittelständler“ versteht, dessen Geschäftsgebiet weite Teile des Geltungsbereichs der Kammer umfasst, hatte gut an die Spitze der IHK gepasst.

          Doch Tonnellier vereint nicht nur aus Harmoniebedürfnis. All die Fusionen sind auch Ausdruck seines Ehrgeizes. Eine Karriere wie seine legt man nicht ohne den nötigen Biss hin. Mit 20 Jahren war er Zweigstellenleiter der kleinen Saar Bank, mit 25 Prokurist bei der Frankfurter DG Bank, mit 28 Direktor einer Privatbank und mit nur 32 Jahren stieg er in den Vorstand der Frankfurter Volksbank ein.

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