https://www.faz.net/-gxh-7jls1

Schweiz : Voll im Flow am Runcatrail

  • -Aktualisiert am

Alles ruhig über Flims – wenn nicht gerade die Tektonik für geologische Aufregung sorgt Bild: Franziska Horn

Wer die beiden Schweizer Dörfer Laax und Flims auf der Fahrt durchs Vorderrheintal links liegenlässt, verpasst womöglich das Beste: Charakterstarke Berge, ungewöhnliche Architektur und Aktivsport jenseits des Mainstream.

          7 Min.

          Eigentlich genügt es, sich auf eine der lauschigen Almwiesen hoch über der Rheinschlucht zu fläzen. Wenn dann der Blick zu den zackigen Gipfeln der Signinagruppe schweift und über die weiten, offenen Täler, die häufig Sonne abbekommen, dann ist die Welt schon ziemlich in Ordnung. Noch schöner ist der Anblick nach einem fein komponierten Imbiss aus Hirschcarpaccio mit Birnenravioli im nahen Restaurant Conn. Das Zusammenspiel von Lage und Licht hat hier etwas Besonderes. Das haben lange vor uns schon die Maler überrissen: Giovanni Giacometti bannte die grünschillernden Nuancen des nahen Caumasees – sozusagen ein Stück Schweizer Karibik – in impressionistisch-pointillistischer Manier auf die Leinwand. Heute hängt eines dieser Gemälde im Entrée des kontrastreichen, vielschichtigen Luxushotels Waldhaus Flims.

          Doch zurück zur Natur. Jetzt heißt es erst einmal, den Spuren der größten alpinen Katastrophe überhaupt zu folgen, denn diese verformte und prägte die Gegend für immer. Beim Flimser Bergsturz vor rund zehntausend Jahren rasten Unmengen brüchigen Kalksteins, etwa zehn Kubikkilometer, hinunter ins Rheintal und verschütteten es. Der Rhein staute sich zu einem See. Im folgenden Spiel der Elemente gewann das Wasser: Der Fluss fräste einen tiefen Einschnitt ins gestaute Gestein – und schuf damit die Vorderrheinschlucht, genannt Ruinaulta. Die Abrutschfläche verwaldete und zwischen den zahlreichen Wurzeln entwickelte sich weich federnder Waldtorfboden. Wellnessboden könnte man ihn nennen. Von den reichen Wäldern hat übrigens auch die Region ihren Namen: Surselva.

          Die Federung schluckt das weg

          Es muss unfassbar gekracht haben damals, als der Berg Cassons sich von seiner Südflanke verabschiedete. Ein Weltuntergang. Wer heute den Föhrenwald auf mäßig steilen Wegen idealerweise per Mountainbike durchradelt, um zum Schluchtenrand zu gelangen, bekommt großes Kino geboten: Direkt an die Abbruchkante setzte Architektin Corinna Menn eine luftige, dynamisch gespannte Aussichtsplattform namens „Il Spir“ – das heißt Mauersegler auf Rätoromanisch. Zum Abheben ist das Gefühl, sobald man die Stufen zu den stählernen Schwingen hochsteigt. Vierhundert Meter tiefer rauscht der Rhein dahin und frisst sich immer weiter ins Gestein. Wir schauen ihm gern dabei zu. Vergleiche mit dem Grand Canyon drängen sich auf. Tief unten am Flussufer zuckelt ein rotes echt Schweizer Bähnli talaufwärts. Stimmt ja, wir sind in der Schweiz.

          Nach diesen Tiefblicken geht es nun in die Höhe. Aufgemotzt mit einer veritablen Kampfmontur aus Rücken-, Ellbogen- und Schienbeinprotektoren plus Helm und Schutzbrille schweben wir sanft zur Liftstation Alp Naraus hinauf. Seitlich an den Sesselliftsitzen hängt schweres Gerät: vollgefederte Downhillbikes. Jetzt wird’s ernst. Bike-Guide Dani Ammann aus dem benachbarten Ort Flond will uns den neu angelegten Runcatrail hinunterschicken, eine sogenannte Flow-Trail-Route – dabei sind die meisten von uns Downhill-Anfänger. Dani vertraut uns, dem Bike sowieso und auch unseren martialischen Materialpanzern. Na gut, trauen wir uns auch. Anfangs läuft alles locker. Auf breiten Schotterwegen queren wir den Hang, bevor der eigentliche Trek beginnt. Weil Dani nett und außerdem ziemlich vernünftig ist, lässt er uns die schwierigen Trailabschnitte auf leichteren „chicken lines“ umfahren. Die eigentlichen „obstacles“ – Northshore-Elemente wie Holzsteilwände, Wallrides, hohe Stufen und Drops – überlassen wir denen, die’s wirklich können.

          Weitere Themen

          Touristenboom auf Kosten der Natur? Video-Seite öffnen

          Grönland : Touristenboom auf Kosten der Natur?

          Mit seiner wilden Natur und der unberührten Landschaft lockt Grönland immer mehr Touristen an. In den Regionen im Osten freuen sich zwar viele über die Entwicklung, doch sie fürchten auch Negativfolgen.

          Acht Rubens im Niemandsland

          Spanien : Acht Rubens im Niemandsland

          Die Hochebene der kastilischen Provinz Soria ist ein Paradebeispiel für das „leere Spanien“. Doch sie hält einige Überraschungen bereit.

          Topmeldungen

          Antrieb der Zukunft : Elektroautos retten das Klima nicht

          Mit welchem Antrieb wir in die Zukunft fahren, scheint politisch entschieden. Aber neue Untersuchungen nähren Zweifel. Demnach ist ein Elektroauto erst nach 219.000 Kilometern besser für das Klima. Der Plug-in-Hybrid ist erst recht kein Gewinn.
          Während des Sommers 2015 hat es auch viele Flüchtlinge nach Dänemark gezogen. Welche Rolle dabei Sozialtransfers gespielt haben, ist kaum zu ermitteln.

          Princeton-Studie : Sozialleistungen locken Zuwanderer

          Bislang haben wissenschaftliche Untersuchungen nur einen schwachen Effekt von Sozialtransfers auf die Bereitschaft zuzuwandern nachgewiesen. Ein Forscherteam hat es nun am Beispiel Dänemark untersucht und Überraschendes beobachtet.
          Gut verdienen -  das wollen viele; aber wo gibt es die besten Gehälter?

          Gehaltsreport für Absolventen : Berufswunsch? Reich!

          Ein Studium zahlt sich aus – so viel ist bekannt: Akademiker können sich auf höhere Gehälter freuen als Nicht-Akademiker. Aber das ist natürlich nur ein Durchschnitt, wie diese neuen Gehaltsdaten zeigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.