https://www.faz.net/-gxh-7ihb8

Atlantik-Überquerung mit Kolumbus : Kein Programm, nur Schiff und Meer

  • -Aktualisiert am

Kein Land in Sicht: Früher war das eine Gottesstrafe. Heute ist es ein Luxus. Bild: Juliane Murnau

Zehn Wochen brauchte Christoph Kolumbus von Gran Canaria bis in die Karibik. Ein moderner Großsegler schafft die selbe Route in vierzehn Tagen - eine Reise auf den Spuren des Entdeckers.

          Santa Maria! Ein himmlischer Name für einen Großsegler. Doch wer ihre Geschichte kennt, wird eher an die Hölle als an den Himmel denken - allen voran Christoph Kolumbus. Er verfluchte seine Santa Maria, für ihn war sie der Teufel. Dabei ist sie das legendäre Gefährt, mit dem der Entdecker in spanischen Diensten im Jahr 1492 aufbrach, um westwärts nach Indien zu gelangen. Dass sie ihn nicht in die gewünschte Richtung, sondern in die Karibik brachte, war jedoch nicht der Grund seines Ärgers. Vielmehr war ihm bereits vor der Abreise klar, dass die heilige Maria ihn noch vor erhebliche Probleme stellen würde. Sie war schlicht nicht für eine längere Segelpassage geeignet - egal ob nach Osten oder nach Westen.

          Warum die Muttergottes dennoch ankam, lag an ihm selbst und seinen Fähigkeiten - oder besser gesagt Unfähigkeiten - als Steuermann. Denn Kolumbus plante, mit drei schnittigen Karavellen auf die Reise zu gehen. Allerdings konnte Kolumbus selbst keine Karavellen steuern, und zu seinem Verdruss fand er nur zwei kompetente Kapitäne, die willens waren, mit ihm ins Ungewisse zu fahren. Da er das gesamte Projekt nicht abblasen wollte, fuhr er nur mit den beiden Karavellen Niña und Pinta los. Für sich selbst wählt er ein altes Segelfrachtschiff, die Santa Maria. Und während die beiden kleinen und viel wendigeren Karavellen auch bei lauem Wind zügig vorankamen, dümpelte seine Santa Maria - immerhin das Flaggschiff der Expedition - bei Flaute auf der Stelle.

          Die Gier nach Gewürzen

          Es war jedoch nicht die Schuld der ungelenken Santa Maria, dass Kolumbus die Karibik und nicht Indien erreichte. Vielmehr nahmen sich die damaligen Navigationsinstrumente im Vergleich zu den heutigen primitiv aus. Auch konnte Kolumbus nicht ahnen, dass mitten im Ozean noch ein riesiger Kontinent liegt. Zudem waren seine Berechnungen falsch, da er von einem deutlich geringeren Erdumfang ausging.

          Alle Mann in die Masten: Das Leben auf einem Großsegler kann immer noch Knochenarbeit sein.

          Genau 520 Jahre, nachdem die Santa Maria in See stach, folgen wir Kolumbus’ Route. Um ein möglichst authentisches Erlebnis zu haben, kann es natürlich nur ein Großsegler sein. Denn wir wollen ebenso wie Kolumbus den Passatwind zur Überfahrt nutzen und mit möglichst wenig Motorantrieb auskommen. Mit dem Dreimaster Sea Cloud II starten wir ebenso wie unser geschichtliches Vorbild von den kanarischen Inseln, von Gran Canaria aus. Doch wir sind nur zum Spaß und zur Entspannung unterwegs. Ganz anders Kolumbus. Seine Motive waren handfeste wirtschaftliche Interessen. Denn an Indien interessierten die Europäer vor allem wertvolle Güter wie Gewürze und Seide. Als Mitte des vierzehnten Jahrhunderts das Osmanische Reich entstand, verlangten sie von den Europäern Zoll, um die Waren von Ost nach West zu bringen. Die Portugiesen wollten diese Abgaben im wahrsten Sinn des Wortes umschiffen. Kolumbus war sich sicher, dass es einen westlichen Seeweg zum heutigen Indien geben müsse.

          Weitere Themen

          Der asiatische Eindringling

          Algenplage im Mittelmeer : Der asiatische Eindringling

          Laut spanischen Fischern spielt sich unter der Meeresoberfläche an der Straße von Gibraltar eine Umweltkatastrophe unabsehbaren Ausmaßes ab. Fische gehen nicht mehr viele ins Netz – stattdessen tonnenweise braune Algen.

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.