Alpe-Adria-Trail :
Die kurze Reise vom Gletscher an den Badestrand

Von
Hannah Lühmann
Lesezeit:
Heiligenblut ist am idyllischsten, wenn die Skihaserln fehlen. Den Großglockner aber sollte man besser nicht unterschätzen.
Heiligenblut ist am idyllischsten, wenn die Skihaserln fehlen. Den Großglockner aber sollte man besser nicht unterschätzen.picture alliance / Robert Hardin

Am Anfang Murmeltiere streicheln, am Ende Mittelmeermuscheln essen: Das kann man auf dem Fernwanderweg Alpe-Adria-Trail erleben, der vom Großglockner bis zum Golf von Triest führt. Und dazwischen wird es auch nicht gerade langweilig.

Endlich macht das Murmeltier ein Männchen und stützt sich dabei mit einer Klaue auf unserem Knie ab. Doch die Entfremdung zwischen uns setzt sofort ein, als unsere Hand sein Fell berührt. Das Murmeltierfell ist nämlich nicht weich und kuschelig, wie man es von einem dicken, niedlichen Wesen wie diesem erwartet. Es ist ein borstiges, fettiges Wildtierfell. Das Murmeltier niest, läuft davon und bleibt in sicherer Entfernung stehen. Seine langen gelben Schneidezähne erscheinen uns auf einmal nicht mehr als witzige Mümmel-Accessoires, sondern als infektiöse Hauer. Dem Murmeltier geht es mit uns wohl ähnlich. Denn sooft wir auch mit dem Stanniolpapier des Schokoriegels rascheln, es ist nicht mehr zurückzubewegen. Insgeheim sind wir beide froh, dass wir wieder Distanz zueinander einnehmen können - naturentfremdete Großstädterin hier, niedliche Wildtierfellkugel dort.

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