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„Bunte“-Herausgeberin Riekel : „Prominenz allein reicht nicht“

  • -Aktualisiert am

Patricia Riekel, die frühere Chefredakteurin der „Bunten“, mit ihrem Kater Bobby und ihrem Lebensgefährten Helmut Markwort im Hintergrund Bild: Frank Röth

„Bunte“-Herausgeberin Patricia Riekel über die Arbeit mit Stars, gelungene Cover, das gesellschaftliche Sibirien und zuverlässige deutsche Promis.

          9 Min.

          Frau Riekel, als Sie 1997 die Chefredaktion der „Bunten“ übernahmen, steckte das Blatt in einer Krise. Die Auflage war gesunken, die Redaktion verstört, Anzeigenkunden abgeschreckt, Promis in Abwehrhaltung.

          Das war eine schwierige Zeit. Ich war ja Nachfolgerin von Franz Josef Wagner, dessen Texte mich als junge Journalistin begeistert hatten. Wagner hatte die Redaktion mit harter Hand geführt. Ich dachte, mit meinem freundlichen Stil würde ich gut ankommen. Ich übernahm ein Team, das männlich geprägt war.

          Die wollten die Peitsche?

          Jedenfalls waren sie klare Ansagen gewöhnt. Und das habe ich dann auch schnell begriffen. Wenn mir ein Layout nicht gefiel, habe ich es solange neu machen lassen, bis es saß. Und wenn es zehn Mal gemacht werden musste.

          So weit sind wir jetzt aber noch nicht.

          Nein. Da kam also ich. Klein, vollbusig und auch noch die Freundin vom Markwort. Alle nahmen an, in Wirklichkeit sei Markwort der „Bunte“-Chef. Wobei ich schwöre, dass ich ihm nicht ein einziges Mal in 20 Jahren vorab einen Titel gezeigt habe, never ever. Ich war am Anfang wahnsinnig schüchtern, ich hatte totales Lampenfieber. Aber ich habe mir gesagt: Ich muss das machen, was ich kann.

          Was können Sie besonders gut?

          Ich würde sagen, ich verstehe etwas von Menschen. Ich habe immer versucht zu begreifen, warum Menschen so handeln, wie sie handeln. Ich hätte Profiler bei der Polizei oder Verhaltensforscherin werden können. Außerdem war ich eine Frau, und „Bunte“ wird von Frauen gekauft. Und ich war um die vierzig, also etwa in dem Alter der meisten Leserinnen. Ganz wichtig: Ich bin keine Zynikerin. Zynismus und Ironie schrecken viele Frauen ab. Entweder weil sie sich bei bösen Gedanken ertappt fühlen oder weil sie diese Art von Humor nicht lustig finden.

          Was interessiert „Bunte“-Leserinnen?

          Gefühle, Schicksale. Aber auch: welches Kleid Kate trägt, warum Victoria von Schweden sich einen Mann aus dem Volk genommen hat und wie Uschi Glas damit fertig wurde, dass ihr Mann sie betrog.

          Sie glauben fest an die Unterschiedlichkeit von Frauen und Männern?

          Sie nicht?

          Haben Sie sich in Ihrem Verhalten von autoritären Vorbildern gelöst? Henri Nannen soll mal gesagt haben: „Herr Kollege, Ihr Text hat eine starke und eine schwache Seite. Er fängt schwach an und fällt dann stark ab.“

          Wenn mir ein Text nicht gefiel, habe ich nicht gesagt: „Mist.“ Ich habe gesagt: „Interessant, was Sie geschrieben haben. Tolle Gedanken, wirklich gut. Mir fehlt aber hier eine kleine Ergänzung.“ Die Kollegin, der Kollege muss aus meinem Büro mit dem Gedanken herausgehen: „Die Chefin versteht mich. Die weiß, was ich geleistet habe, und ich denke jetzt noch einmal neu nach.“ Ich wollte niemals Kollegen herunterputzen oder fertig machen. Bei gleichzeitigem Pochen auf Qualität in Texten und Layout.

          In der Redaktion gab es auch noch Probleme mit dem Klatschreporter Michael Graeter.

          Ja, er hat gleich am Anfang gesagt, wir kämen gut miteinander aus, wenn er vollkommen selbständig arbeiten könne. Das wäre also auf ein Heft im Heft hinausgelaufen.

          Er wollte nicht redigiert werden?

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