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Neue Weinstein-Anschuldigungen : „HW hat mich vergewaltigt“

Schauspielerin Rose McGowan sprach erstmals auf Twitter öffentlich über die Vergewaltigung durch Harvey Weinstein. Bild: AP

Eine weitere Schauspielerin bringt Vergewaltigungsvorwürfe gegen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein vor. Derweil haben auch die Amazon Studios ihren Chef wegen sexueller Belästigung suspendiert.

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          „Leute, es geht mir nicht gut, aber ich steh das durch“, sagte Harvey Weinstein zu den Reportern. Dann stieg er in seinen Wagen: „Wir machen alle mal Fehler. Ich hoffe auf eine zweite Chance.“ An die Fotografen gewandt, fügte er noch hinzu: „Ich war immer loyal mit euch, ich bin hier der Gute.“ Der Auftritt vor Kameras am Mittwoch dürfte für die nächste Zeit wohl der letzte gewesen sein. Der ehemals mächtigste Filmproduzent Hollywoods soll sich in Therapie begeben haben. Man spekuliert, dass er dafür außer Landes flog.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Einsicht oder Entschuldigungen gab es von seiner Seite bis zuletzt nicht. Unterdessen reißt der Ansturm der Anschuldigungen nicht ab. Immer neue Vorwürfe werden laut, und immer geht es nach dem gleichen Muster: Besprechungen, die plötzlich in Weinsteins Hotelzimmer verlegt werden; Massagen; nackte Auftritte im offenen Bademantel; Betatschen; und in mittlerweile mindestens vier Fällen angeblich Vergewaltigung. Nun hat auch die Polizei neue Ermittlungen aufgenommen. In London wurde Anzeige gegen Weinstein wegen eines sexuellen Übergriffs erstattet. Der Vorfall soll sich in den achtziger Jahren in einem Hotelzimmer ereignet haben. Und auch die New Yorker Polizei will noch einmal einen neuen Blick auf ältere Fälle werfen, die mit Weinstein im Zusammenhang stehen, berichteten mehrere amerikanische Zeitungen.

          Obwohl die Übergriffe ein offenes Geheimnis in der Filmbranche waren, zeigen sich einige männliche Stars noch immer überrascht. So zum Beispiel Regisseur Quentin Tarantino, dessen Filme seit Jahren von Weinstein produziert wurden. Über eine Freundin ließ Tarantino auf Twitter ein Statement veröffentlichen, in dem er Weinstein als „Freund seit mehr als 25 Jahren“ bezeichnet. Die Enthüllungen der vergangenen Tage hätten ihn sprachlos gemacht. Er brauche aber noch einige Tage, um seine Wut und seinen Schmerz zu verarbeiten, bevor er sich selbst öffentlich äußern werde.

          Auch Hollywood-Star Ryan Gosling zeigte sich „zutiefst enttäuscht, dass ich diese verheerenden Erlebnisse sexueller Belästigungen und Misshandlungen nicht bemerkt habe“. Auf Twitter sprach er von einem systematischen Problem, für das Harvey Weinstein symbolisch stehe.

          Wie weit dieses Problem in der Branche verankert ist, zeigte sich am Donnerstagabend, als die Amazon Studios, die zum gleichnamigen Onlinekonzern gehören, bekanntgaben, dass ihr Chef Roy Price suspendiert wurde. Auch ihm wird vorgeworfen, eine Mitarbeiterin mit sexuellen Bemerkungen belästigt und bloßgestellt zu haben. Die amerikanische Schauspielerin Rose McGowan hatte ihn in Tweets an Amazon-Chef Jeff Bezos scharf angegriffen. Als sie gehört habe, dass Price mit Weinstein zusammenarbeiten wolle, habe sie ihm gegenüber ihre Erfahrungen mit dem Produzenten geschildert: „Ich habe dem Chef Ihrer Studios gesagt, dass HW mich vergewaltigt hat. Immer und immer wieder habe ich das gesagt. Er antwortete, es gebe keine Beweise. Ich sagte, ich bin der Beweis.“

          Gegenüber dem „Hollywood Reporter“ bestätigte McGowan, dass die Initialen HW für Harvey Weinstein stünden. Im Bericht der „New York Times“, in dem mehrere Schauspielerinnen und Mitarbeiterinnen der Weinstein Company von sexueller Belästigung durch den Produzenten berichtet hatten, war McGowan als eine der Frauen erwähnt, mit denen sich Weinstein außergerichtlich geeinigt hatte. Nun brach auch sie öffentlich ihr Schweigen. Auf ihrem Twitteraccount rief sie Jeff Bezos dazu auf, „keine Vergewaltiger, vermeintliche Pädophile und sexuelle Belästiger mehr zu unterstützen“.

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