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Gluthitze und Bodenfrost : Der Juli war ein Monat der Rekorde – und doch nur Mittelmaß

  • -Aktualisiert am

Warte des Deutschen Wetterdienstes in Lingen: ein guter Platz zum Messen? Bild: dpa

Eine Internetplattform zweifelt den Rekordwert von 42,6 Grad an, der in Lingen gemessen wurde. Der Deutsche Wetterdienst hält dagegen. Insgesamt zeige der Sommer deutlich, dass der Klimawandel an Fahrt aufgenommen habe.

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          Der Julimonat wartete mit einer Hitzewelle auf, die gleich mehrere Rekorde brach: In Lingen im Emsland wurden 42,6 Grad gemessen. Das ist nicht nur die seit Anbeginn der Wetteraufzeichnung höchste in Deutschland gemessene Temperatur, sondern übertrifft zudem den vorherigen Spitzenwert um zwei Grad. Auch die Häufungen der 40-Grad-Messungen im Juli ist einmalig: Im Zeitraum von 1881 bis 2018 wurde in Deutschland nur zehn Mal die Marke von 40 Grad erreicht oder überschritten. Im Juli stieg das Thermometer in nur drei Tagen gleich 28 Mal über 40 Grad, 25 Mal allein am 25. Juli, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Donnerstag vermeldete. Der Sommer zeige deutlich, dass der Klimawandel an Fahrt aufgenommen habe.

          Extreme fanden sich nicht nur bei den Hitzewerten, sondern auch bei der anhaltenden Trockenheit und den ausbleibenden Niederschlägen, da die über Deutschland gelegenen Hochdruckgebiete nur selten Gewitter und Regen zuließen. „Der Juli war deutlich trockener und hat die bereits katastrophale Dürresituation in Deutschland weiter verschärft“, sagt DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Pro Quadratmeter fielen lediglich 55 Liter Niederschlag, das Soll liegt bei 78 Litern pro Quadratmetern. Das entspricht einem Defizit von 31 Prozent. Der Juli war zudem ungewöhnlich sonnenscheinreich: Mit 235 Sonnenstunden lag der Wert 13 Prozent über dem Mittelwert von 212 Stunden.

          Friedrich verweist jedoch auch darauf, dass die Julibilanz insgesamt nicht rekordverdächtig ist. „Die erste Julihälfte war etwas kühler als im vierjährigen Mittel, der Sommer war quasi auf Sparflamme. Erst in der letzten Woche ist er dann zu einer Hitzewelle explodiert.“ Die in der ersten Monatshälfte über Nordwesteuropa liegenden Hochdruckgebiete führten im Norden Deutschlands zu kühler und im Süden zu leicht wärmerer Luft. In Deutschdorf-Brüderwiese im Erzgebirge kam es nachts bei 1,5 Grad sogar zu Bodenfrost. Nachdem der hohe Luftdruck nach Ostdeutschland weitergezogen war, konnte im letzten Drittel des Monats die Gluthitze aus Südeuropa nach Deutschland vordringen.

          Die Internetplattform Wetter-Online zweifelt nicht die rekordhafte Hitzewelle an, jedoch den Höchstwert von 42,6 Grad, der in Lingen gemessen wurde. Die Messbedingungen, unter denen der Wert zustande gekommen ist, seien fragwürdig, sagt Matthias Habel von Wetter-Online. Seit Jahren schon stächen die Werte in Lingen im Vergleich zu den umliegenden Messstationen heraus. Meteorologisch lasse sich nicht belegen, dass Lingen der Hitzepol Nordwestdeutschlands sei.

          Schon kurz nach der Bekanntgabe des Spitzenwerts war mit Spannung erwartet worden, ob der DWD den Wert anerkennen würde. Die elektronische Messstation am Rande von Lingen könnte tatsächlich den Richtlinien der Weltorganisation für Meteorologie widersprechen. Auf dem Grundstück stehen Bäume und Hecken, die die Zirkulation der Luft möglicherweise behindern. In den Richtlinien des DWD für die betriebenen Wetterstationen heißt es: „Die freie Exposition der Station gegenüber den meteorologischen Einflussgrößen muss dadurch gewährleistet werden, dass alle die Strahlung und den Wind abschirmenden Hindernisse in Abhängigkeit von ihrer Höhe und Breite einen Mindestabstand vom Messfeld haben müssen.“

          Nach Angaben von Wetter-Online plant der DWD schon seit 2014 die Verlegung der Wettermessstation, weil sie die vorgegebenen Kriterien nicht erfülle. Der Meteorologe Andreas Friedrich widerspricht dem: Die geplante Verlegung habe nichts mit aktuellen fehlerhaften Messungen zu tun. Auf dem Gebiet der Messstation stehe vielmehr ein größeres Gebäude, das bis vor drei Jahren von DWD-Mitarbeitern noch genutzt wurde. Heute finden die Messungen aber ausschließlich elektronisch statt. Das leer stehende Gebäude und das umliegende Gelände sollen daher veräußert werden. „Wir suchen in der Nähe der jetzigen Wetterstation einen neuen Standort.“ Die Planungen dazu laufen schon länger. Als zweiten Grund für den Umzug nennt Friedrich den Bewuchs in der näheren Umgebung der Messstation, der zwangsläufig zu einem Störfaktor werden könnte – allerdings erst in der Zukunft.

          Aktuell geht der DWD nicht davon aus, dass die von ihm erhobenen Messwerte in Lingen durch örtliche Faktoren fälschlich beeinflusst wurden. „Bei unseren Tests und Überprüfungen in Lingen ließ sich feststellen, dass die Temperaturmessungen, die an dem Rekordtag gemessen wurden, repräsentativ sind“, sagt Friedrich. Der Wetterdienst werde darum auch weiterhin die gemessenen 42,6 Grad als Spitzenwert auf der Rekordliste führen.

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