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Eine Familie in der DDR : Angst, Willkür und Schikane

  • -Aktualisiert am

Bild: von Zubinski

Eine Familie zu DDR-Zeiten in Stralsund: Nur der kranke Vater durfte ausreisen. Seine zwölf Jahre alte Tochter musste ein Doppelleben führen.

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          Dieses System hat eine Wunde hinterlassen, die schwer zu heilen ist und immer wieder aufreißt.“ Ulrike Berg wurde 1969 in Stralsund geboren und lebte dort mit ihrer Familie bis 1984. Ihr Vater litt an einer schweren Nierenerkrankung und hatte daher den Status eines Invalidenrentners. Aufgrund der Kosten, die der Staat für ihren Vater hätte übernehmen müssen, durfte der 42-Jährige ohne bürokratische Hürden 1981 in den Westen fahren, wo er sich in Lübeck behandeln ließ. Die Mutter musste mit Ulrike Berg, die zu dieser Zeit zwölf Jahre alt war, und ihrer zwei Jahre älteren Tochter im Osten bleiben. Es dauerte zweieinhalb Jahre, bis der Ausreiseantrag genehmigt war und die Familie wieder beieinander sein konnte.

          Neben dem Wunsch, mit ihrem Vater zusammenzukommen, gab es die kleinen Wünsche. „Bei einer Erkältung hatten meine Schwester und ich immer einen großen Appetit auf frisches Obst. Dann waren wir überglücklich, wenn unsere Mutter uns eine Dose Pfirsiche geöffnet hat, die uns unser Vater zugeschickt hat.“ Der sonstige Alltag war geprägt von Schikane. Kontakt zum Vater konnte nur über Briefe oder Telefonate erfolgen. Die Telefongespräche wurden jedoch abgehört, was man an einem Knacken im Hörer bemerkte. Außerdem waren in der Straße, in der die Familie lebte, nur zwei Telefone vorhanden. Immer musste ein Amt angewählt werden, wenn man über die Grenze telefonieren wollte. „Dies konnte Stunden dauern, wenn sie einen überhaupt durchgestellt haben“, regt sich Ulrike Berg noch heute über die einstigen Zumutungen auf. Daher blieben die Briefe als wichtigstes Kontaktmittel, die ebenso kontrolliert wurden.

          „Wir nehmen Ihnen Ihre Kinder weg“

          Die Familie lebte von den Paketen, die ihr Vater aus dem Westen schickte. Doch diese Pakete, in denen Kakaopulver, Waschmittel oder andere Produkte enthalten waren, wurden absichtlich am Zoll der DDR ruiniert. Ihre Mutter wurde zudem wöchentlich verhört – ob von der Polizei oder von der Stasi, weiß Ulrike Berg nicht, da ihre Mutter über diese demütigenden und verletzenden Verhöre nie richtig erzählen wollte. Bis heute leidet sie emotional unter den permanenten Drohungen, denen sie ausgesetzt war, und die da etwa lauteten: „Sie werden Ihren Mann nie wieder sehen“, oder: „Wir nehmen Ihnen Ihre Kinder weg.“ Dadurch lebte Ulrike Berg in der ständigen Furcht, dass jederzeit etwas Schlimmes geschehen könnte. „Durch die Schikane war ich total verunsichert.“ Auch Freunde wendeten sich von dem damals 12-jährigen Mädchen ab, da sie Angst hatten, in die Fänge des Staats zu geraten. „In der Schule war immer dieses sozialistische Geschwafel“, sagt sie. Die Fächer waren die gleichen wie im Westen, jedoch waren diese ideologisch gefärbt. Als Fremdsprache lernten die Schüler in der DDR Russisch. „Das haben ich und meine Mitschüler sehr gehasst, da wir zu dieser Zeit nicht reisen durften und die gelernte Sprache dadurch nicht anwenden konnten.“ Doch auch andere Fächer wie Staatsbürgerkunde, wo die Schüler im Sinne der DDR-Führung zu richtig guten sozialistischen Staatsbürgern erzogen werden sollten, oder Wirtschaftskunde konnte Ulrike Berg nicht gutheißen, wusste sie doch genau, dass die Welt so nicht aussah, wie ihnen vermittelt wurde, einmal durch das West-Fernsehen und zum Zweiten dadurch, dass sie viel und gerne gelesen hat.

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