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Immobilieninvestoren : Großvermieter sitzen gern in Luxemburg

Blick auf den Kirchberg, dem Finanzzentrum von Luxemburg Bild: dpa

Wer professionell am deutschen Immobilienmarkt investiert, lässt sich gern im Großherzogtum nieder. Das liegt weniger an Steuervorteilen.

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          Trotz Namensverwandtschaft haben der Finanzplatz Luxemburg und die Rosa-Luxemburg-Stiftung wenig gemein. Doch im Mai hat die Stiftung der Partei Die Linke eine Studie zur mangelnden Transparenz am Berliner Immobilienmarkt veröffentlicht. Wenn Mieter erfahren wollen, wer Eigentümer ihres Hauses ist, stoßen sie schnell an die Grenzen: Das Transparenzregister schaffe keine Transparenz, lautet die Botschaft der Studie. Doch überraschend ist ein Detail, das sich auf Luxemburg bezieht.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn dort gelange man ohne lange Umwege, Wartezeiten und umständliche Registrierung mit wenigen Klicks zum Ergebnis – und das auch noch kostenlos, loben die Autoren. Eine Recherche in Luxemburg empfiehlt sich für Mieter oder Immobilienkäufer auch aus einem anderen Grund: Es ist der bevorzugte Standort für professionelle Immobilieninvestoren.

          Dort sitzen nach Angaben des Luxemburger Fondsverbands Alfi mehr als 300 Immobilienfonds. Sie verwalten ein Vermögen von gut 80 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2006 waren es noch weniger als 10 Milliarden Euro. Aber nicht nur Fonds fühlen sich in Luxemburg wohl, sondern auch börsennotierte Immobiliengesellschaften wie Ado Properties, Aroundtown oder Corestate. Ein Sprecher von Aroundtown bezeichnet Luxemburg als „effizient und professionell“.

          Starker Schutz durch strenge Aufsicht

          Die Unternehmensstrukturen entsprächen den sehr hohen Transparenzstandards der EU und würden von der Finanzaufsicht CSSF sehr streng reguliert und beaufsichtigt, was internationalen Investoren in Europa einen starken Schutz biete: „Luxemburg ist der bevorzugte Zugang für internationale Investoren zu europäischen Immobilien.“

          Ein Sprecher der Immobiliengesellschaft X+Bricks verweist ebenfalls auf die Aufsicht. Sie biete innerhalb von Europa ein für Unternehmen und Investoren gleichermaßen attraktives Umfeld. Investoren und finanzierende Banken legten hohen Wert auf die international anerkannten, hohen Regulierungsstandards. „Luxemburg hat sich somit für Unternehmen zu einem der wichtigsten Zugänge zu professionellen Investoren entwickelt. Dies gilt nicht nur für Immobiliengesellschaften“, sagt er.

          Auch Ado Properties sitzt dort, aber für die Immobiliengesellschaft hat derzeit die Übernahme von Adler Real Estate Priorität. Es entsteht der drittgrößte Immobilienkonzern in Deutschland mit mehr als 75000 Wohnungen. Die Übernahme hat zu Überlegungen über den künftigen Standort geführt. Für Luxemburg spricht die vorhandene Infrastruktur mit einer auch dem Wohle des Finanzplatzes verpflichteten Aufsicht, spezialisierten Wirtschaftsprüfern, Beratern und Anwälten. Das ist den vielen Immobilienfonds zu verdanken, die dort sitzen.

          Für Fonds der bevorzugte Standort in Europa

          Geht es nach Nicolas Mackel, der die Finanzplatzinitiative Luxembourg for Finance leitet, gibt es für Immobilienfonds keinen besseren Standort als das Großherzogtum. Dafür sprächen vor allem die Gründe, die auch die Stärken als Standort für Investmentfonds ausmachten. An erster Stelle nennt Mackel das breite Spektrum an Vehikeln und Strukturierungsmöglichkeiten, über das sich die jeweiligen Anforderungen der Anleger optimal bedienen lassen. Zudem seien in Luxemburg alle Kompetenzen und Dienstleistungen, die für die Auflage und Verwaltung von Immobilien- und Investmentfonds benötigt würden, an einem Ort gebündelt.

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