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Internationaler Finanzmarkt : Jetzt kommt Leben in die Bude

Klarer Aufwärtstrend: Der Dow-Jones verzeichnet ein Plus von drei Prozent Bild: dpa

Am Mittwoch dürfte die Fed über das Volumen ihrer Anleihekäufe entscheiden. Am Sonntag wählt Deutschland. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

          3 Min.

          Bisher hat der September seinen Ruf als Unglücksmonat an den Börsen in diesem Jahr noch nicht bestätigt. In der abgelaufenen Handelswoche ist am deutschen Aktienmarkt der Dax um 3,1 Prozent gestiegen, weil die Sorgen der Börsianer vor einem militärischen Eingreifen der Amerikaner in Syrien abgenommen haben. An der Wall Street legte der Dow-Jones-Index um 3 Prozent zu, womit er seine beste Woche seit Januar 2013 verzeichnete.

          Für die kommenden Tage stehen aber zwei Ereignisse bevor, die zumindest kurzfristig die Finanzmärkte spürbar beeinflussen könnten. Zunächst trifft sich am Dienstag und Mittwoch in Washington das wichtigste geldpolitische Entscheidungsgremium der amerikanischen Notenbank Fed, der Offenmarktausschuss. Nachdem der Vorsitzende der Fed, Ben Bernanke, seit dem vergangenen Mai über eine Reduzierung der monatlich 85 Milliarden Dollar ausmachenden Anleihekäufe spricht, könnte nach Ansicht vieler Marktteilnehmer zur Wochenmitte eine solche Entscheidung kommuniziert werden. Eine an den Märkten weitverbreitete Ansicht drückt die Bayerische Landesbank in ihrem Wochenendkommentar aus: Die Fed wird wohl künftig weniger Anleihen kaufen, das Volumen der Reduzierung dürfte angesichts der immer noch nicht rund laufenden Konjunktur aber nicht sehr bedeutend ausfallen.

          Ankündigungen der Fed dürften kaum mehr beeindrucken

          Wie aber würden die Märkte auf eine solche Entscheidung reagieren? Hier gibt es sehr unterschiedliche Ansichten: Eine Schule meint, die neue Politik der Fed sei den Marktteilnehmern seit Bernankes Ankündigung im Mai bekannt und habe sich auch bereits in einem deutlichen Anstieg der Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen von 2,06 auf 2,89 Prozent manifestiert. Insofern dürften Ankündigungen der Fed zu den Anleiherückkäufen am kommenden Mittwoch den Markt kaum mehr beeindrucken. Eine andere Schule sieht dennoch deutliche Marktreaktionen voraus, weil bisher immer noch viele Teilnehmer daran zweifelten, dass die Fed schon ab diesem Herbst weniger Anleihen kaufen werde. So verweisen technisch ausgerichtete Analysten darauf, dass die zehnjährige amerikanische Anleiherendite in den vergangenen Wochen zweimal einen Anlauf nahm, die Marke von 3 Prozent zu erreichen, und dabei gescheitert ist. Nach einer alten Weisheit aus der technischen Analyse, die aber nicht immer zutrifft, gelingt die Überwindung solcher Widerstände oft beim dritten Versuch.

          Gewinner und Verlierer im Dax: Die Grafik verbindet die Kursänderungen der 30 Werte des Deutschen Aktienindex in zwei Zeiträumen in Prozent. Auf der Vertikalen sind die Änderungen der vergangen 12 Monate abgebildet, auf der Horizontalen jene aus der vergangenen Woche. Die erfolgreichsten Aktien finden sich in der Grafik oben rechts, die erfolglosesten unten links. Die Größe der die Aktien abbildenden Kreise bestimmt sich durch den Börsenwert der Unternehmen

          Das zweite große Ereignis der nahen Zukunft ist die Bundestagswahl am kommenden Sonntag. Ihr geht am Dienstag die Veröffentlichung des ZEW-Index zur Stimmung der Finanzmarktteilnehmer voraus, der nach einer verbreiteten Einschätzung ein ungebrochenes Vertrauen in einen Konjunkturaufschwung in Deutschland zeigen sollte. Die Bundestagswahl spielt an den internationalen Finanzmärkten bisher keine Rolle, weil die Handelsteilnehmer davon ausgehen, dass auch nach dem Urnengang Angela Merkel – in welcher Koalition auch immer – Hausherrin im Bundeskanzleramt bleiben wird. Und auch wenn politische Börsen nach einer alten Erkenntnis kurze Beine haben, werden die Marktteilnehmer nicht nur in Deutschland genau beobachten, wie die Wahl ausgeht.

          Erholung an Finanzmärkten in den Schwellenländern

          Gespannte Ruhe herrscht derzeit an den europäischen Anleihemärkten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen pendelt um die Marke von 2 Prozent. Die Renditedifferenz zu zehnjährigen italienischen Staatsanleihen – ein an den Märkten gerne verwendeter Indikator für den Zustand der Krise in der Währungsunion – hat sich geringfügig auf 242 Basispunkte vergrößert. Ausgeprägter sind die Reaktionen am Markt für portugiesische Staatsanleihen. Begleitet von Überlegungen der Regierung in Lissabon, die Konsolidierung des Staatshaushalts hinauszuzögern, ist die Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatstitel seit Mitte August von 6,23 auf 7,26 Prozent gestiegen.

          Ziemlich lebhaft ist es in den vergangenen Monaten an den Finanzmärkten in den Schwellenländern zugegangen. Nachdem Währungen wie die indische Rupie, die indonesische Rupiah und der brasilianische Real gegenüber dem Dollar und dem Euro lange Zeit deutlich abgewertet hatten, lässt sich nunmehr eine Gegenbewegung konstatieren. So hat sich der Kurs der indischen Rupie seit einem Allzeittief von 68 Rupien für einen Dollar am 3. September auf 63 Rupien je Dollar zum Wochenschluss erholt.

          Wird diese Erholung dauerhaft sein? Die Investmentbank Morgan Stanley warnt von einer „Bärenmarktrally“, sprich einer nur vorübergehenden Erholung. Ihr Argument lautet, dass viele Schwellenländer fundamentale wirtschaftliche Schwierigkeiten haben, deren Überwindung mehrere Jahre dauern wird. Eher unerwartet für viele Marktteilnehmer dürfte eine neuerliche Schwäche der Edelmetalle gekommen sein. Die Feinunze Gold kostete zum Wochenschluss nur noch 1308 Dollar.

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