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Energiepolitik : Koalitionspoker setzt Wind-Aktien unter Druck

Luftig: Techniker auf einem Windrad Bild: dpa

Die Absichtsbekundungen aus den Koalitionsverhandlungen zur Absenkung der Förderung der Windenergie lassen die Aktienkurse in der Branche fallen. Die Reaktion ist verständlich, aber überzogen.

          Die sich abzeichnende Korrektur der Energiewende setzt am Montag die Aktienkurse von Windkraftunternehmen unter Druck. Vor allem der Kurs des Windkraftanlagenbauers Nordex, dem einzigen neben SMA Solar im Tec-Dax verbliebenen Unternehmen aus der Branche der Erneuerbaren Energien steht unter Druck und fällt um mehr als 20 Prozent.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ist durchaus dramatisch, letztlich zeigt sich aber nur einmal mehr, dass angesichts der wechselhaften deutschen Energiepolitik in der Branche vor allem kurzfristig investiert und daher ebenso schnell Geld wieder abgezogen wird.

          Mittlerweile sind auch die Investitionsobjekte rar geworden. Das trifft in stärkerem Maß auf Solarwerte zu, wo einstige Höhenflieger wie Conergy oder Solarworld vor der Insolvenz stehen oder schon einen Schritt weiter sind. Aber auch die Wind-Branche steht unter Druck. Die als Anleihenemittent bekannt gewordene Windreich AG ist insolvent, der Anlagenbauer Repower schied schon 2009 aus dem Tec-Dax aus.

          Geblieben sind vor allem Werte in der dritten und vierten Börsenreihe. Zu den prominenteren gehört hier noch die des Projektentwicklers PNE Wind, ehemals Plambeck Neue Energien, deren Kurs um mehr als 9 Prozent fällt. PNE hatte zudem am Montag noch Zahlen für die ersten neuen Monate des Geschäftsjahres vorgelegt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist der Umsatz dabei um fast die Hälfte auf 43,6 Millionen Euro gefallen. Aus einem Betriebsgewinn von knapp 25 wurde ein Verlust von rund 6 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote fiel von knapp 49 auf rund 26 Prozent.

          Zwar ist die Geschäftsentwicklung nicht zuletzt durch eine größere Übernahme bedingt, aber auch durch Projekt-Vorfinanzierungen. Und gerade diese Kosten im Offshore-Bereich sind angesichts der ungünstigen Entwicklung dieses Marktes etwas, was so manchen Anleger zweifeln lässt. Immerhin sollen die Ausbauziele für Windparks im Meer massiv gesenkt werden.

          Doch die Reaktion der Anleger könnte etwas übertrieben sein. Die Schweizer Großbank UBS stuft die in den Koalitionsgesprächen geplanten Veränderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in einer Branchenstudie als „moderat“ ein, wenngleich sich der Ausbau der alternativen Energiegewinnung im Vergleich zu den vergangenen Jahren verlangsamen dürfte.

          Auch die Branche selbst demonstriert Gelassenheit. Die Überlegungen aus den Koalitionsverhandlungen böten keinen Grund zur Panik, sagte ein Sprecher des Bundesverbands Windenergie dem Wall Street Journal Deutschland. Zwar löse der Verhandlungsstand in der Branche keinen Jubel aus. Es gelte aber, die Details der schwarz-roten Pläne abzuwarten. Bedeutend sei etwa, auf welche Vergütungssätze für Windstrom sich die Verhandlungspartner einigten.

          Auch von Nordex heißt es, dass es wohl zwar nicht besser werden werde aber bei einem moderaten Rückgang der Förderung sei kaum damit zu rechnen, dass viele Windkraftprojekte in Frage gestellt würden. Die Absenkung der Ausbauziele ist ohnedies keine große Nachricht, galten die bisherigen Ziele ohnehin als nicht erreichbar.

          Niemand will in der Politik gefangen sein

          Fundamental nicht wirklich nachvollziehbar ist der Kurssturz der Nordex-Aktie. Das Unternehmen stellt keine Windkraftanlagen für Projekte auf See her und hat im vergangenen Jahr mehr als 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland erwirtschaftet. Exzessiv nennt daher auch Heinz Steffen, Analyst bei Fairesearch die Kursreaktion.

          Es scheint mehr oder weniger ein Trend zu sein: Erneuerbare Energien gelten als heikel, weil von den Unwägbarkeiten politischer Prozesse abhängig. Und das Risiko möchten die meisten Investoren nicht eingehen. Deswegen ist die Kursreaktion bei einem Index-Wert wie Nordex stärker ausgeprägt. Auch PNE Wind hat mit einem etwas größeren Handelsvolumen noch mehr zu leiden. Der Kurs der Aktie des Projektentwicklers Energiekontor, deren Handelsvolumen nur noch im Tausenderbereich liegt, fällt nur um 4 Prozent und die illiquide Aktie der Abo Wind wird sogar mehr als 2 Prozent im Plus notiert.

          Gute Kursentwicklung 2013

          Zudem darf man eines nicht übersehen: Wind-Aktien haben sich seit Jahresbeginn extrem gut entwickelt: Nordex hatten sich weit mehr als vervierfacht. PNE bis Anfang Oktober 52 Prozent hinzugewonnen, bevor Investoren nervös wurden, weil das Unternehmen Erfolgsmeldungen anbot, aber zu Projekten nichts sagte, die Anleger für wichtiger hielten. Auch die heutige Pressemeldung gab ein ähnliches Bild ab – in den ausführlichen operativen Erfolgsmeldungen gingen die schlechten Zahlen unter.

          Der Aktienkurs des dänischen Windanlagenbauers Vestas hatte sich mehr als verfünffacht. Am Montag gibt er um knapp 3 Prozent nach –das zeigt, dass die Kursreaktion nicht wirklich als fundamentalen angemessen betrachtet werden kann. Denn Vestas ist im Offshore-Bereich stärker engagiert als Nordex und liefert immer noch mehr als 10 Prozent der Leistung nach Deutschland.

          Dier aktuelle politische Entwicklung im Bereich Windenergie ist sicherlich kein Investitionsargument und verschreckt wieder einige, die noch immer Hoffnungen für die Branche hatten. Wer indes kurzfristig agiert, für den könnte der Kurssturz der Nordex-Aktie am Montag eine Gelegenheit sein, auf eine kurzfristige technische Erholung zu setzen.

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