FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Ereignisse und Gestalten :
Warum sollte das Staatskunst sein?

Von
Raquel Erdtmann
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Werner Tübkes „Straße in Brüssel (mit Selbstbildnis)“, entstanden 1965 als Federzeichnung
Werner Tübkes „Straße in Brüssel (mit Selbstbildnis)“, entstanden 1965 als FederzeichnungStädel/VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Als ich in der DDR aufwuchs, war Werner Tübke einer ihrer prominentesten Künstler. Wir empfanden damals das Verstörende seiner Kunst. Warum wird er heute so oft als „Staatskünstler“ diskreditiert?

Der Prophet gilt bekanntlich im eigenen Lande nichts, aber wenn man ihn jenseits der eigenen engen Grenzen feiert, ist es vielleicht schlau, sich seiner zu bedienen, statt ihm weiter das Leben schwerzumachen. So war es auch in der DDR. Die größtenteils abzugebenden Devisen durch Künstler, die man ins westliche Ausland ließ, waren ein schöner Beifang, aber unbezahlbar war die Imagebeschaffung, das Ansehen im Westen, auf das nach Walter Ulbrichts Tod Wert gelegt wurde. Weg mit dem Stalinismus, hin zur überlegenen, freien, sozialistischen Gesellschaft, die selbstverständlich als Siegerin vom Platz gehen musste.

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