„Melancholia“ in Bochum : Umarmung in die Leere des stumpfen Lebens

Bochumer Uraufführung: Johanna Wehner inszeniert „Melancholia“ nach dem Film von Lars von Trier. Schafft sie mehr als eine Nacherzählung des Drehbuchs?
Die kleine, achtköpfige Gesellschaft, die sich am Anfang, mit Spitzen und dicken Karos, Pelz und Petticoats, leicht derangiert und einer nach dem anderen die Rampe entlang bewegt, ist bereits aus dem Tritt. Hochzeit will sie feiern, doch das wird nichts. „Auf das Leben!“ gibt John, der reiche Schwager der Braut, der, wie er sich brüstet, alles bezahlt hat, trotzig den Ton an, in den die anderen nur brüchig und erschöpft einstimmen. Denn Justine, die in ihrer Mitte ein weißes Kleid trägt, fehlt etwas: „Vermisst du nicht irgendwas?“, fragt sie als Erstes und weiß nicht, worauf sie sich freuen soll. Dass Michael, ihr Zukünftiger, immer nur einfältig „Du bist schön“ stammelt und dann auch noch behauptet „Ich habe Dich noch nie so glücklich gesehen“, kann ihr auch nicht helfen, im Gegenteil! Wunschdenken. Ihr „Ich lächle, ich lächle...“ ist reine Verlegenheit. Gute Miene zur bösen Angst. Auf das Leben! Welches Leben? Justine ist gerade dabei, es zu verlieren. Sie ist depressiv.





