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Rezo bei Böhmermann : Der neue Sheriff heißt Zivilgesellschaft

Sie verstehen sich gut: Rezo und Jan Böhmermann im „Neo Magazin Royale“. Bild: ZDF/Neo Magazin Royale/Screenshot

Spannung vor dem Auftritt des Youtubers Rezo bei Jan Böhmermann: Der nächste Großangriff auf die CDU? Er bleibt aus. Was das Verständnis von Politik, Demokratie und Pressefreiheit angeht, lässt die Sendung allerdings tief blicken.

          Diesmal wird die CDU nicht zerstört. Nicht von Jan Böhmermann und nicht von dem Youtuber Rezo, den der ZDF-Moderator in der letzten Ausgabe seines „Neo Magazin Royale“ vor der öffentlich-rechtlichen Sommerpause zu Gast hat. Dafür geht es der Homöopathie an den Kragen, Politikern allgemein und – den Zeitungen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Eine halbe Stunde nimmt sich Böhmermann Zeit, um sich mit Homöopathie auseinanderzusetzen. Die bringt er, ob ihrer vermeintlichen Wirkungslosigkeit, auf den Nenner „Schütteln, verdünnen, Scheiße labern“ und fragt, warum die Krankenkassen dies auch noch mit Unsummen finanzierten. Die von der Firma Hevert anwaltlich übermittelte Androhung eines Ordnungsgeldes von 5100 Euro gegen eine Ärztin, die homöopathischen Mitteln keine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus bescheinigt, gereicht Böhmermann zum Running Gag: Den Placebo-Effekt nennt er so oft, dass die zu zahlende Rechnung sich schließlich auf 76.500 Euro beläuft.

          Rezo hatte „einfach Bock drauf“

          So geht die Sendezeit munter dahin, bis Rezo auftaucht, „der alte Zerstörer“ (Böhmermann), und Auskunft über sein Youtube-Video gibt, das inzwischen mehr als fünfzehn Millionen mal angeklickt worden ist. Warum er das produziert hat? Er hatte „einfach Bock drauf“, sich mit ein paar Themen zu beschäftigen, ein paar Leute aufzuklären und einen kleinen Diskurs anzuregen. Mit 200.000 bis 300.000 Views habe er gerechnet, nicht mehr. Wurde er dafür bezahlt von einem Unternehmen? „Nein.“ Haben die Grünen etwas damit zu tun? „Nein.“

          Die Reaktion der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, über Meinungsmacht im Netz und über Regeln für dieselbe diskutieren zu wollen, bewertet der Youtuber als „nicht so smart“ und „sehr selbstzweck-inspiriert“. Er wisse gar nicht, welche „analogen Regeln“ für ihn nicht gälten. Ob er nicht vielleicht auch ein wenig Mitleid mit der CDU habe, fragt Böhmermann in ausgestellter Markus-Lanz-Manier: „Es tut mir leid für die Guten in der Partei, aber es tut mir nicht leid für die Leute, die viel Scheiße gebaut haben in der letzten Zeit.“ Und für die ganze Partei selbstverständlich auch nicht.

          Das ist doch immerhin ein intimer Einblick in das Politik-Verständnis des Youtubers, der sich bei Böhmermanns Fragen nach den „etablierten Medien“ und der „Meinungsmacht“ noch ein wenig verdichtet. Wobei mit „etablierten Medien“ in diesem Fall nur die Presse und nicht ein Sender wie jener gemeint ist, in dem diese Sendung läuft. Gemeint ist insbesondere unser Kollege Jasper von Altenbockum, dem Rezo schlankweg unterstellt, er verbreite auf Twitter „rechte Verschwörungstheorien“. Welche? Dass er „irgendwas für einen Werbekonzern tue“ und Wahlwerbung mache.

          Ey Shit, ist das direkte Demokratie?

          „Das ist das Ding“, sagt Rezo: „Früher war es so, dass die Leute in der Politik nicht mit den Leuten in der Masse  sozusagen direkt sprechen konnten, sondern immer über den Zeitungsweg gehen mussten. Und da die Zeitungen das alles noch mal ein bisschen verändern und ihre eigene Art haben, was die anders ausdrücken und so, haben sich die Leute aus der Politik dann angeeignet, auch Dinge anders auszudrücken und anders anzusprechen. Und das finde ich total gut, dass wir jetzt an dem Punkt sind, dass Leute aus der Politik einfach sagen: Ey shit, das war falsch, das war ein Fehler, tut mir leid. Dass das geht und dass dann als Reaktion darauf die Leute auch sagen: Ja, finde ich gut. Schwamm drüber, alles gut so. Das finde ich eigentlich ganz schön, dass es das jetzt gibt.“

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