„Tatort“ aus Weimar : Blut ist im Schuh

Dem „Tatort“ aus Weimar ist nichts heilig. Schon gar nicht die Stadt Weimar. Durch die fegen Nora Tschirner und Christian Ulmen einmal mehr wie die Elefanten durch den Porzellanladen.
Manche Witze nutzen sich ab mit der Zeit, andere werden besser. Hier haben wir beides zugleich. Mit jeder Episode lustiger wird das breit grinsende Unterlaufen von Weimars Relevanzbesoffenheit. Wofür steht das Städtchen nicht alles: Wiege der deutschen Klassik, Ausgangspunkt der Bauhaus-Designrevolution, Wiege der ersten deutschen Demokratie. „Kulturstadt Europas“ steht stolz auf jeder offiziellen Broschüre. Welche illustren Weimar-Themen aber haben Murmel Clausen und Andreas Pflüger, das komischste Drehbuchteam des Landes, in bislang vier komplett überdrehten „Tatort“-Folgen konjugiert? Die Thüringer Rostbratwurst („Die fette Hoppe“), Swingerclubs und die Wahl zur Zwiebelmarktkönigin („Der Irre Iwan“), die kleinkarierte Liebe zu Zinnsoldaten („Der treue Roy“) und jetzt die moralisch verlotterte Porzellanindustrie.





