Lars von Trier wird sechzig : Ein sehr sensibler Hammer

Sein Kino macht keine Gefangenen, vor allem Schöngeister müssen büßen. Dem dänischen Schmutz-, Schund-, Kunst- und Wackelkamerafilmfacharbeiter Lars von Trier zum sechzigsten Geburtstag.
Am allerdreckigsten geht es der Besserwisserei in seinen Filmen immer dann, wenn sie ausnahmsweise wirklich mal was besser weiß: Die astronomischen Kenntnisse, auf die sich Kiefer Sutherland als John in „Melancholia“ (2011) gegen die Weltuntergangsmeise seiner Umgebung beruft, sind so solide, dass er sich zur Strafe umbringen muss. Und nicht obwohl, sondern gerade weil der Seelenkundige, den Willem Dafoe in „Antichrist“ (2009) darstellt, mit seiner Traumabewältigungsstrategie der behutsamen Aufarbeitung völlig recht hat, frisst ihn der Film moralisch (wenn schon nicht physisch) ratzeputz auf. Das lebende Lesezeichen schließlich, dem Stellan Skarsgård in „Nymph()maniac“ Gesicht und Haltung leiht, büßt für seine keusche Selbstinszenierung als fußnotenseliger Mietskasernen-Prospero mit dem ihn selbst wie sein vorgesehenes Opfer entwürdigenden Misslingen eines täppischen Vergewaltigungsversuchs, bevor diesen alten Schmierlappen ein Schicksal ereilt, das die Regie nicht mal mehr explizit macht; so wenig Mitleid hat sie mit Büchermenschen.





