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Londoner Ergebnisse : Das neue Inselgefühl ist nicht schlecht

  • -Aktualisiert am

Der Brexit als Motor der globalen Kauffreude – ob das so bleibt? Die Ergebnisse der Auktionswochen mit Moderne und Gegenwartskunst in London.

          5 Min.

          Die Londoner Frühjahrssaison stand im Zeichen des Brexit: Die Moderne wurde vor dem Referendum verkauft, die Nachkriegs- und Zeitgenossenkunst danach – und damit in einer veränderten Welt. Für Käufer gelten die am Tag der Auktion angesetzten Umrechnungskurse – entsprechend profitierte schon die Gegenwartskunst vom geschwächten Pfund: Von einer Woche zur anderen war ein Pfund im Auktionssaal nicht mehr 1,47 Dollar, sondern nur noch 1,33 Dollar wert; statt 1,30 Euro bezahlte man 1,20 Euro. Nicht zuletzt das führte dazu, dass in der Abendauktion mit Zeitgenossen bei Sotheby’s 25 von vierzig verkauften Losen oberhalb ihrer Schätzung zugeschlagen wurden, zwölf weitere innerhalb der Taxe; bei Christie’s stieg immerhin die Hälfte der 36 verkauften Lose über ihre Schätzung hinaus.

          Für Christie’s endete diese Saison allerdings nicht ohne Rückschläge: Die Abendauktion mit Moderne war schlecht gelaufen, und nur eine Stunde vor Beginn der Zeitgenossen-Auktion wurde das Spitzenlos von Gerhard Richter zurückgezogen. Sein amerikanischer Einlieferer bestand auf einem Mindestgebot von ambitionierten vierzehn Millionen Pfund, obwohl ihm, so heißt es, zu zwölf Millionen Pfund geraten worden war; bis kurz vor der Auktion hatte sich wohl noch kein sicherer Interessent gemeldet. Nach dem überraschend starken Käuferinteresse könnte er seine Entscheidung bereits bereuen. Am folgenden Abend konnte Christie’s aber mit seiner Auktion „Defining British Art“, zur Feier des 250. Firmengeburtstags, seinen höchsten Umsatz des Frühjahrs melden: 99,47 Millionen Pfund wurden bei einer Verkaufsrate von 87 Prozent mit 27 Werken aus drei Jahrhunderten eingespielt und acht Künstlerrekorde aufgestellt, darunter für Frank Auerbach, Lynn Chadwick und Bridget Riley. Henry Moores „Reclining Figure: Festival“ von 1951 erzielte 22 Millionen Pfund (Taxe 15/20 Millionen), ein weiterer Rekord. Francis Bacons große „Version No. 2 of Lying Figure with Hypodermic Syringe“ stieg auf achtzehn Millionen Pfund (um 20 Millionen). Lucian Freuds Doppelporträt „IB and her Husband“ von 1992 mit einer Erwartung um zwanzig Millionen blieb allerdings unverkauft.

          Ein Weltrekord für ein kubistisches Gamälde

          In der Woche des Referendums waren zunächst die Abendauktionen mit Impressionismus und Moderne dran. Bei Sotheby’s ging ein Raunen durch den Saal, als die weltweite Kodirektorin der Moderne-Abteilung, Helena Newman, im glitzernden Abendkleid als Auktionatorin das Rostrum betrat, das für viele Jahre das Revier des distinguierten Chairman Henry Wyndham gewesen war. Nur 27 Lose waren angesetzt, und Newman hielt mit ihrer souveränen charmanten Performance bis zum Ende die Konzentration im Saal. Nur drei Lose blieben unverkauft, der Umsatz betrug 103,28 Millionen Pfund, ein Ergebnis knapp über der Erwartung. Mehr als die Hälfte der Summe wurde von zwei weit überragenden Werken erzielt: Für Picassos museales kubistisches Porträt einer „Femme assise“ von 1909 (F.A.Z. vom 18. Juni) fiel der Hammer erst bei 38,5 Millionen Pfund, mehr als die erwarteten dreißig Millionen; das ist der Weltrekord für ein kubistisches Gemälde. Dafür setzte sich ein Bieter am Telefon von Adam Chinn gegen Amy Cappellazzo durch; beide sind Partner in der zusammen mit Allan Schwartzman gegründeten Beratungsfirma „Art Agency, Partners“, die Sotheby’s Anfang des Jahrs für fünfzig Millionen Dollar einkaufte. Für Modiglianis Porträt seiner Muse „Jeanne Hébuterne (au foulard)“ wurden mehr als 28 Millionen Pfund erwartet. Ein Bieter am Telefon von Samuel Valette, der verantwortlich für private sales ist, ließ sich das Bild sogar 34,25 Millionen kosten, das sind inklusive Aufgeld 38,5 Millionen Pfund. Max Beckmanns „Möwen im Sturm“ von 1942 aus der Sammlung des WDR (F.A.Z. vom 24. Juni) blieben mit 680000 Pfund knapp hinter der unteren Taxe von 700 000 (bis eine Million) Pfund, während Kirchners „Alpweg“, ebenfalls mit WDR-Provenienz, für 700 000 Pfund (600 000/800 000) ans Telefon von Oliver Barker ging.

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