Kollektiv zu den Kollektiven

Die Documenta 15 will die westlichen Konzepte von individueller Autorschaft und Verkäuflichkeit hinter sich lassen. Wir sind gemeinsam nach Kassel gefahren, um uns das als Feuilleton-Gruppe anzusehen.
Ein Held namens Rumeniger
Weiße Schrift auf hellem Untergrund im Treppenhaus des Fridericianums: „White Lies Matter“. Schwarz auf heidelbeerquarkfarbener Wand: „All Time Is Local“ in einer Fußgängerunterführung. Im Museum für Sepulkralkultur schwarz auf beige: „The Past Is Terrible. Not To Forget. The Present Is Past“. Sätze wie Keulen oder von entwaffnender Trivialität gibt es viele bei der Documenta. Ein Bedeutungsstau. Als wäre da mehr zu lesen, als zu sehen, wobei auch Sehen eine Art des Lesens ist. Wenige sogenannte Werke und mehr Objekte, Dinge, Sachen, wobei ein Werk immer auch ein Objekt ist. Und während man sich fragt, warum bloß Foucaults Buch „Les mots et les choses“, die Wörter und die Dinge, in der deutschen Ausgabe „Die Ordnung der Dinge“ heißt, steht man vor steinernen Skulpturen, die Lebensmittel darstellen, im Laden des Britto Arts Trust aus Bangladesch. Steine statt Brot – stammt das nicht aus der Bergpredigt? Außer Sätzen und Sachen sind da viele Bewegtbilder aus fernen Ländern in klassischen Museumsräumen. Aus Müküs an der türkisch-iranischen Grenze. Aus Australien. Oder aus der autonomen Region Rojava im Norden Syriens. Und Filme mit 200-Dollar-Budget aus Wakaliga, einem Slum in Kampala, Uganda. „Wakaliwood“, das sind Blut, Kung-Fu, Action von Isaac Nabwana, dem „Tarantino Afrikas“, wie manche ihn nennen. Hauptfigur seines neuen, von der Documenta koproduzierten Films „Football Kommando“ sind der Kicker „Rumeniger“ (auch „Ruminiger“ oder „Ruminniger“) und dessen Schwarze Frau, die mächtig austeilt. Und ein Dreizehnjähriger, der schon oft bei Nabwana mitgespielt hat, erklärt in einem Video, wie er mit simpelsten Mitteln ein Musikvideo gedreht und dann am Computer gepimpt hat. Sein Name klingt wie Vergangenheit und Zukunft in einem: Isaac Newton Kizito. pek.
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