Kolumne „Import Export“ :
Großzügiger Umgang mit zweiten Chancen

Von
Ronya Othmann
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Sehr viele bärtige Männer: Abu Mohammed Al-Golani im Dezember 2024 in Damaskus
Sehr viele bärtige Männer: Abu Mohammed Al-Golani im Dezember 2024 in DamaskusReuters

Syriens Präsident Al-Golani soll voraussichtlich im September vor der UN-Vollversammlung in New York sprechen. Noch vor gut einem Jahr hatten die USA noch ein Zehn-Millionen-Dollar-Kopfgeld auf das ehemalige Al-Qaida-Mitglied ausgesetzt.

Hätte mir jemand vor einem Jahr erzählt, der französische Präsident Macron würde den syrischen Islamisten Al-Golani nach Paris einladen und ihm sogar den Eiffelturm zeigen, ich hätte diese Person für verrückt erklärt. Hätte mir jemand erzählt, dieser syrische Islamist würde innerhalb weniger Jahre eine so bemerkenswerte Karriere hinlegen – von Al-Golani zu Al-Scharaa –, vom Al-Qaida-Terroristen zum Anführer von Al-Nusra und HTS und weiter zum selbsternannten Präsidenten Syriens, ich hätte auch diese Person für verrückt erklärt. Und wäre das alles nicht schon verrückt genug, wurde vor ein paar Tagen gemeldet: „Syriens Präsident wird voraussichtlich im September vor der UN-Vollversammlung in New York sprechen“. Der Mann, auf den die USA noch vor einem Jahr ein Zehn-Millionen-Dollar-Kopfgeld ausgesetzt hatten – bald in New York? Ob er sich dort auch die Freiheitsstatue ansehen wird, frage ich mich, oder gar den Ground Zero, den seine Glaubens- und Waffenbrüder ja eigenhändig angerichtet haben? Was lernen wir daraus? Jeder hat eine zweite Chance verdient? Oder: Im Jahr 2025 kann ein ehemaliges Al-Qaida-Mitglied – nicht geläutert, nur die Truppe gewechselt – tatsächlich in New York landen, anstatt in einem Gefängnis?

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