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Potsdamer Garnisonkirche : Vergesst die Teilung Polens nicht

  • -Aktualisiert am

Die Flammenvase soll über dem östlichen Treppenhaus der Garnisonkirche als Zeichen gegen bösen Mächte wirken. Bild: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB

Die Potsdamer Garnisonkirche darf kein Ort verklärender Erinnerung werden. Soll mehr als ein bloß nationaler Identifikationsort für den „Mythos Preußen“ entstehen, braucht es dringend eine polnische Perspektive. Ein Gastbeitrag.

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          Als der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe 2002 gefragt wurde, was er über „Preußen“ als Name für das neue Bundesland denke, gab er eine eindeutige Antwort: Er habe auf seinen Polen-Reisen festgestellt, dass man sich dort intensiv mit der preußischen Geschichte befasse. Man solle also die Polen fragen, was die von dieser Idee hielten. Stolpes Vorschlag blieb nur ein Gedanke. Während in Polen der preußische Staat als einer der wichtigsten Referenzpunkte deutsch-polnischer Geschichte gilt, findet die deutsche Preußen-Wahrnehmung meist ohne Erwähnung Polens statt.

          Der Grund dafür liegt zunächst und zumeist in der unaufhaltsamen, nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzenden „Brandenburgisierung“ der Erinnerung an Preußen. Man sagt „Preußen“ und meint „Berlin-Brandenburg“. Die historische Fehldeutung ist dabei schwerlich zu übersehen, denn die drei Teilungen des polnischen Staates (1772, 1793 und 1795) bedeuteten eine radikale Verschiebung der Territorial- und Bevölkerungsstruktur Preußens. Danach machten die ehemals polnischen Gebiete mehr als die Hälfte des preußischen Staatsgebildes aus; rund drei Millionen der damals etwa acht Millionen Menschen zählenden preußischen Bevölkerung waren „Untertanen polnischer Zunge“. Nach 1871 wurde die polnische Bevölkerung zur bedeutendsten Minorität im Deutschen Reich.

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