Flucht und Migration : Die Grenze in uns selbst

Oft wird Migration als Chaos oder Krise beschrieben. Das „Archiv der Flucht“ im Berliner Haus der Kulturen der Welt lässt die Geflüchteten zu Wort kommen.
Sie kamen zu Lande, zu Wasser und durch die Luft, per Zug oder Bus, im Boot und auf Pferderücken. Freiwillig oder nicht? Daran liegt oft schon die ganze Geschichte. Angst habe sie jedenfalls nicht gehabt, erzählt die Iranerin Mila Mossafer, die reitend, an einen Menschenhändler geklammert, über verschneiten Boden zur Grenze zwischen Iran und der Türkei vorstieß, damals in den Achtzigerjahren: Weil es wohl keine Rolle gespielt habe, ob sie in Iran sterbe oder auf der Flucht. Mila Mossafer, heute 65, kam schon vor vielen Jahren nach Deutschland. Lange zuvor war Gudrun Lintzel, Jahrgang 1933, als Zwölfjährige aus Grünberg in Schlesien vertrieben worden, einer Stadt, die nie polnisch gewesen war. Fast ein weiteres halbes Jahrhundert später wurde Kerim Borovina von seinen bosnischen Eltern „aus dem Keller in den Wagen“ gesteckt, und ab ging es Richtung Westen, „ohne Koffer oder Tüten“, heraus aus dem Gemetzel des Jugoslawien-Kriegs.
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