Gabriela Wieners „Unentdeckt“ : Sex-Therapie zur Dekolonisierung

„Etwas aus dieser perversen Mischung aus Huaquero und Huaco fließt durch meine Adern“: Gabriela Wiener untersucht in ihrem Roman „Unentdeckt“ die Folgen des Raubzugs ihres Ururgroßvaters in Peru.
Es gab ihn wirklich: den österreichisch-französischen Wissenschaftler, Diplomaten und Abenteurer Karl Wiener. In den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts hat er Peru und Bolivien bereist und von dort Tausende Objekte unterschiedlichster Art, vorwiegend aus prähispanischer Zeit, nach Europa gebracht, wo viele dieser Artefakte noch heute in verschiedenen Museen, vor allem im Pariser Musée du Quai Branly zu sehen sind. Wiener wurde 1851 in Wien als Sohn jüdischer Eltern geboren. Nach dem Tod des Vaters ging er nach Frankreich, wo er seinen Vornamen in Charles französisierte; später erhielt er auch die Staatsbürgerschaft des Landes. Zunächst war er aufgrund von Empfehlungen einflussreicher Persönlichkeiten als Deutschlehrer an einem renommierten Gymnasium in Paris tätig, 1875 wurde er auf eine zweijährige Expedition nach Peru und Bolivien geschickt, offenbar mit dem Hintergedanken, von ihm dort ergatterte Gegenstände auf der Weltausstellung 1878 in Paris präsentieren zu können.


