FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Romanrezension :
Wie ein zerebrales Erdbeben

Von
Niklas Bender
Lesezeit:
Verlag

Der im Kongo geborene Fiston Mwanza Mujila überzeugt auch mit seinem zweiten Roman „Tanz der Teufel“.

Wenn sie Literatur zum Anhängsel von Identität macht, ist die Debatte um Identität und Literatur aus dem Ruder gelaufen. Das gibt Fiston Mwanza Mujila in einer Pointe seines Romans „Tanz der Teufel“ zu verstehen. Dort schickt er – der in Graz lebende Kongolese – nämlich den Österreicher Franz Baumgartner nach Zaire, um einen Roman zu schreiben über die Katanga-Rebellen oder „eine zweihundertjährige Frau, die er in Angola kennengelernt haben will“. Für sexuelle Dienste kommt Baumgartner im Stundenhotel „Vaudeville de l’Amour“ unter. Die Bevölkerung ist kritisch: „‚Er scheint sympathisch zu sein, dieser Junge, aber er spielt mit dem Feuer. Hat man das Recht, Figuren zu schaffen, die nicht denselben Erfahrungshintergrund haben wie man selbst? Die Versklavung, die Kolonisation . . .‘ ‚Er ist ein Schriftsteller, er schreibt Fiktion.‘ ‚Wir sind hier immerhin in Zaire!‘ ‚Solange er mich auf ein Bier einlädt, kann er schreiben, was er will.‘“ Womit das geklärt wäre.

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