FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Breslaus jüdischer Friedhof :
Möge ihre Seele eingebunden sein in das Bündel des Lebens

Von
Gundula Werger
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Der 1856 angelegte Friedhof in der ulica Ślężna von Breslau ist die einzige in Polen vollständig erhaltene jüdische Ruhestätte aus der Vorkriegszeit.
Der 1856 angelegte Friedhof in der ulica Ślężna von Breslau ist die einzige in Polen vollständig erhaltene jüdische Ruhestätte aus der Vorkriegszeit.Peter Hirth/Laif

Ein Spaziergang über ein Zeugnis der reichen und tragischen Geschichte der Juden in Breslau.

Die Stelen von Edith Steins Eltern stehen nicht nebeneinander. Vier Jahrzehnte liegen zwischen deren Errichtung. Der Vater, Siegfried, der in Breslau (heute Wrocław) einen Holzhandel betrieben hatte, starb im Jahr 1893. Dessen Mazewa aus hellem Sandstein trägt einen Giebel mit einer Amphore. Auf Deutsch wird an den „innig geliebten, teuren Gatten und Vater“ erinnert. „Ruhe sanft“ lautet die Schlussformel. Die Mutter, Auguste, führte den Holzhandel derart erfolgreich weiter, dass sie 1910 eine neoklassizistische Villa erwerben konnte, in der heute ein Edith Stein gewidmetes Museum eingerichtet ist. Edith, die Jüngste, wurde am 12. Oktober 1891 geboren, an Jom Kippur. Sie, die Atheistin und Intellektuelle, die bei Edmund Husserl promoviert hatte, ließ sich nach der Lektüre der Schriften Teresa von Ávilas taufen und trat 1933 in den Kölner Karmel ein (ihr Ordensname lautete Teresia Bendedicta a Cruce). Nach den Novemberpogromen lebte sie im niederländischen Kloster Echt. Von dort wurde sie, zusammen mit ihrer Schwester Rosa, über das Durchgangslager We­­­sterbork nach Auschwitz deportiert und dort am 9. August 1942 ermordet. Papst Johannes Paul II. hat sie 1998 heiliggesprochen.

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