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FAZ.NET exklusiv : Schwere Vorwürfe gegen ehemalige Alno-Manager

Wie steht es um Alno nun? Bild: dpa

Insolvenzverschleppung, verbotene Zahlungen, zu hohe Vorstandsprämien: Der Insolvenzverwalter kündigt im Fall des Küchenherstellers Alno weitere Prüfungen an. Auch Bauknecht wird in den Fall hineingezogen.

          Nach der teilweisen Rettung Ende vergangenen Jahres des zahlungsunfähigen Küchenherstellers Alno hat jetzt der Insolvenzverwalter schwere Vorwürfe gegen ehemalige Vorstände und auch Aufsichtsräte erhoben. In einem 72 Seiten umfassenden Bericht für die Gläubigerversammlung, welcher FAZ.NET vorliegt, geht es vor allem um die Frage, ob das Management des wirtschaftlich seit Jahren schwer angeschlagenen Unternehmens nicht schon im Jahr 2013 eine Insolvenz hätte beantragen müssen. Nach vorläufigem Stand der Untersuchungen sei die Insolvenzreife „bereits deutlich“ vor dem Insolvenzantrag am 12. Juli 2017 eingetreten, heißt es in den Ausführungen des vorläufigen Insolvenzverwalters Martin Hörmann.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So erstreckten sich die Prüfungen auf mögliche Ansprüche wegen „Insolvenzverschleppung“ und „Verstoßes gegen das Zahlungsverbot“. Aber nicht nur das: Verfolgt würden ebenso verschiedene Zahlungen an konzernfremde Gesellschaften, von denen eine mit dem früheren Alno-Vorstandschef Max Müller verbunden sei, sowie „vielfältig hohe Prämien“ an ehemalige Vorstandsmitglieder. „Der Vorstand einer AG muss treuhänderisch wie ein Gutsverwalter und nicht wie ein Gutsherr agieren. Wie das bei Alno war, muss jetzt weiter nüchtern geprüft werden“, sagte Hörmann FAZ.NET.

          Ehemaliger Bauknecht-Chef hängt mit drin

          Als Insolvenzverwalter werde er in jedem Fall die Interessen der Gläubiger vertreten und auch, wenn es nicht anders ginge, den Klageweg bestreiten, um unrechtmäßige Geschäftsvorgänge im früheren Konzern rückabzuwickeln. Als Anfechtungssumme hat der Insolvenzverwalter in seinem Bericht pauschal vorläufig 25 Millionen Euro angesetzt. Das potentielle Volumen der Organhaftung für mögliche verbotene Auszahlungen beläuft sich seit dem Jahr 2013 bis 2016 auf rund 961 Millionen Euro.

          Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte Anfang September vergangenen Jahres schon darüber berichtet, dass Müller zusätzlich zu seinem üppigen Millionengehalt Jahr für Jahr zwischen 300.000 und 700.000 Euro Kosten für Reisen, Telekommunikation, Personaldienstleistungen, Mieten, Beratung und für eine „Organleihe“ zu Gunsten von Gesellschaften abrechnete, an denen er beteiligt ist. Der Schweizer betonte damals auf Anfrage, dass der Aufsichtsrat immer die Genehmigung dafür gegeben hätte.

          Mit hineingezogen in den brisanten Fall wird der Haushaltsgerätehersteller Bauknecht und sein einstiger Chef Marc Bitzer. Der saß bis Ende Oktober 2014 im Alno-Aufsichtsrat und ist heute Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Whirlpool-Konzerns, zu dem Bauknecht gehört. Whirlpool war Hauptlieferant für die Küchen des Pfullendorfer Unternehmens und bis November 2016 Aktionär und mit mehr als 10 Prozent am Grundkapital der börsennotierten Alno AG.

          Es handele sich insgesamt um einen rechtlich hochkomplexen Sachverhalt, sagte Hörmann. Er bestätigte den Kontakt zu Ermittlungsbehörden. „Die strafrechtliche Dimension im Falle einer Insolvenzverschleppung ist Sache der Staatsanwaltschaft. Die spezialisierte Wirtschaftsstaatsanwaltschaft in Stuttgart hat hierzu Dokumente von uns angefordert und diese von uns erhalten.“

          In der Stadthalle von Hechingen wurden an diesem Dienstag Alno-Gläubiger vom Insolvenzverwalter über dessen Prüfbericht und das weitere Vorgehen informiert. Besonders heikel ist auch die Frage, wie eine Unternehmensanleihe aus dem Jahr 2013 über 45 Millionen Euro, die bis Mai dieses Jahres läuft, betrachtet wird, wenn sich der Tatbestand einer Insolvenzverschleppung ergeben sollte. Dann könnte es auch um Kapitalanlagebetrug gehen.

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