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Sensorik, Big Data, Robotik : Die Immobilienbranche lahmt bei der Digitalisierung

Die Immobilienwirtschaft tut sich noch schwer mit der Aufarbeitung ihrer Daten. Bild: mauritius images

Ob Smart Home, Sensorik oder ganz neue Geschäftsmodelle durch „Proptech“: auf die etablierten Immobilienunternehmen rollt einiges zu. Viele fühlen sich überfordert. Doch nicht alles ist schlecht.

          Der eine möchte unter die Fliesen im Außenbereich der Sauna eine Fußbodenheizung einbauen und sie mit Sensoren verbinden. Der andere will den Sockel seiner Küchenzeile mit LED-Leuchten verzieren, und der Dritte möchte nicht nur die Rollläden im Bad, sondern auch die Dunstabzugshaube über Funk steuern. Sie alle treffen sich in einer Facebook-Gruppe zur Hausautomatisierung, gut 1300 Bastler sind in der geschlossenen Gruppe schon Mitglied, beraten sich gegenseitig und geben Tipps zur Konfiguration oder zu Produkten. Die meisten von ihnen arbeiten mit Fibaro, einem Heimautomatisierungssystem, das aus normalen Häusern smarte Häuser machen soll.

          Die Gruppe ist vor allem etwas für Tüftler. Wer sein Haus so vernetzt, wie sie es tun, gehört zu den frühesten Anwendern einer neuen Technik. Damit sind sie natürlich Spezialisten, doch bilden sie damit die Spitze eines Trends: Die Marktforscher von Gartner rechnen damit, dass sich die Zahl von vernetzten Geräten nur im Smart-Home-Bereich von 339 Millionen im vergangenen Jahr auf 2,7 Milliarden im Jahr 2020 verachtfachen wird. So etwas wird dann getrieben auch durch Produkte, die selbst für den einfachen Konsumenten leicht zu verstehen sind. Amazons Digitalassistent Echo verbindet sich mit klugen Glühbirnen, und auch das von Google einst für 3,2 Milliarden Dollar gekaufte Unternehmen Nest Labs hat sich kürzlich nach Deutschland gewagt. Dafür hat sich das Unternehmen Vertriebspartner mit Reichweite gesucht: neben Amazon und Händlern wie Media Markt und Conrad verkauft die Versicherung Cosmos Direkt die Produkte. Die Logik dahinter: Wer sein Haus überwacht, meldet weniger Versicherungsfälle. Dadurch verändern sich auch die Tarife für Versicherungspolicen. Und das Münchener Unternehmen Tado, das genauso wie Nest schlaue Thermostate verkauft, kooperiert mit dem Energieversorger Eon.

          Aktenordnerchaos allerorten

          Doch wo sind da eigentlich die Immobilienunternehmen? Die müssten doch auch daran interessiert sein, von der zunehmenden Vernetzung irgendwie zu profitieren. Denn Digitalisierung ist viel mehr als nur „Smart Home“: Von Sensorik über Big Data, von virtueller Realität bis zu Robotik, ja selbst Begriffe wie Künstliche Intelligenz oder die Blockchain beschäftigen auch die Immobilienbranche. Und trotzdem sucht man sie nahezu vergebens, wenn es an konkrete Beispiele geht. Woran liegt das? Rund 90 Prozent der Unternehmen im Immobiliensektor sind der Meinung, dass die digitale Transformation für sie ein Problem darstellt. Das ergibt der umfassende Report „Digitale Transformation und Innovation in der deutschen Immobilienbranche“, die die Immobilienberatung CBRE gemeinsam mit dem Future Real Estate Institute kürzlich herausgegeben hat.

          Auf 54 Seiten zeigt der Studienautor Viktor Weber in den verschiedenen Bereichen der Vernetzung krasse Defizite auf, die sich die Branche selbst attestiert. Nicht einmal jedes dritte Unternehmen hat für sich selbst Grundlagen definiert, wie es sich auf die digitale Welt vorbereiten und in ihr zurechtfinden soll. In mehr als der Hälfte der Unternehmen sind die Daten, die natürlich überall anfallen, noch nicht richtig strukturiert und digital nutzbar. Aktenordnerchaos allerorten also. Das hört sich noch pessimistischer an als in der vorangegangenen Studie des Verbandes ZIA und der Beratung EY, in der immerhin 97 Prozent der Befragten angaben, dass alle wichtigen Daten in fünf Jahren überwiegend digital vorliegen würden. Im CBRE-Report erwarten die meisten der 190 Befragten von der Digitalisierung eine Prozessoptimierung (179) und eine bessere Datenverarbeitung, die gleichbedeutend mit daraus resultierendem besseren Service genannt wird (jeweils 136).

          Nun muss man den Immobilienunternehmen auch zugute halten, dass sie es bislang kaum nötig hatten, besonders innovativ zu sein: Ihr Geschäftsmodell, Gebäude und Wohnungen zu kaufen und dann zu betreiben und zu vermieten, war jahrelang stabil – und vor allem ertragreich. Nur legt heute nicht nur der große Immobilienkonzern, sondern auch die Bank, die Versicherung oder der Privatanleger das Vermögen in Immobilien an. Die Margen und Renditen sinken, und es treten neue Konkurrenten auf. Doch sich mit der eigenen digitalen Transformation gegen neue Konkurrenz zu wappnen, gibt in der CBRE-Studie nur etwas mehr als jeder Dritte als Motivation an.

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