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Studie zur Elektromobilität : Umbau des Stromnetzes für Elektroautos kostet Milliarden

Laut der Studie rechnet sich das Geschäft für die meisten Betreiber von Ladesäulen noch nicht. Bild: dpa

Um das Stromnetz für E-Autos fit zu machen, braucht es bis zu 11 Milliarden Euro. Das haben Forscher nun ausgerechnet. Und selbst dann sind die geplanten 15.000 Ladestationen noch nicht rentabel.

          Die Betreiber von Ladesäulen für Elektroautos werden noch lange kein Geld verdienen. Für die Ausrüster der Stromnetze lockt hingegen ein Milliardenmarkt. Bis zu 11 Milliarden Euro an Investitionen seien bis 2030 nötig, damit das Stromnetz auf die Anforderungen vorbereitet wird. Würde das Netz so bleiben wie es ist, dann wäre es bei der Zunahme der Zahl von Elektroautos nicht leistungsfähig genug. Das sind Ergebnisse einer im Auftrag von ABB erstellten Studie des Münchner Professors Horst Wildemann und dessen Unternehmensberatung TCW.

          Bernd  Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Für Wildemann ist eine umfassende Verfügbarkeit von Ladestationen der entscheidende Faktor, um die Zahl der derzeit 130.000 in Deutschland zugelassenen Elektro- und Hybridfahrzeuge zu erhöhen. Er schätzt bis 2030 ein überaus hohes Marktpotenzial für Ladesäulen. Allein 2,2 Millionen könnten es an öffentlich zugänglichen Stellen wie Autobahnraststätten, Einkaufszentren oder Parkplätzen sein. Noch mehr, nämlich 2,5 Millionen, erwartet er an privaten Aufstellorten, also Eigenheimen, Wohnanlagen und Unternehmen. Zum Vergleich: heute gibt es kaum 5000 öffentlich verfügbare Ladestationen.

          Wie können Ladesäulen rentabler werden?

          Der Studie zufolge profitieren von der Aufrüstung vor allem die Netzausrüster. Für die Betreiber von Ladesäulen rechnet sich das Geschäft in der überwiegenden Mehrzahl noch lange nicht. Damit sich eine Ladesäule innerhalb von drei Jahren amortisiere, müsste sich die Zahl der Elektroautos schon bei gleichbleibender Anzahl an Ladepunkten mehr als verzehnfachen, heißt es. Doch selbst dieses Szenario sei unrealistisch, schließlich soll die Zahl der Ladepunkt ja steigen, um einen Kaufanreiz zu setzen.

          Seine Schlussfolgerung: Subventionen von Bund und Ländern seien „momentan und in naher Zukunft unersetzbar, um den Ausbau der Ladeinfrastruktur voranzutreiben.“ Erst wenn Skaleneffekte wirksam würden und die Investitionskosten zurückgingen, könnten für Ladesäulenbetreiber rentable Geschäftsmodelle entstehen. Die Betreiber nutzen Ladesäulen heute meist als Mittel zu Kundenbindung oder Marketing, etwa Einzelhändler, die ihren Kunden für die Dauer des Einkaufs einen kostenlosen Stromladeparkplatz zur Verfügung stellen. Bis März 2018 hat der Staat nach Darstellung von Wildemann „nur“ knapp 8000 Normalladepunkte und 1500 Schnellladepunkte gefördert. Die öffentliche Förderung ist derzeit noch stark auf die Autos konzentriert. 600 Millionen Euro stehen für Kaufprämien zur Verfügung, aber die Bürger nähmen diese Anreize offenbar kaum zur Kenntnis.

          Bis 2020: 15.000 öffentliche Ladestationen

          Deswegen sollte man die Mittel in Richtung Ladestationen umlenken, schlägt das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) vor: „Die Unterstützung könnte von Handwerkern, Hotels oder in Wohnanlagen genutzt werden“, so die Idee von Bafa-Präsident Andreas Obersteller.

          Das bisher existierende Förderprogramm für Ladeinfrastruktur stellt 300 Millionen Euro zur Verfügung, um bis zum Jahr 2020 den Aufbau von 15.000 öffentlich zugänglichen Ladestationen zu unterstützen. Voraussetzung ist, dass der Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt.

          Aus diesem Topf will beispielsweise die Deutsche Telekom Fördermittel bekommen, die erklärtermaßen zu einem der größten Anbieter von Ladesäulen werden will, indem sie einen Teil ihrer Schaltverteiler zu Stromtankstellen umbaut. Mehrere hundert davon könnten auch Schnellladesäulen werden. Neu im Geschäft ist Ionity, ein Zusammenschluss der Autohersteller BMW, Daimler, VW und Ford, mit dem Plan, bis 2020 an europäischen Verkehrsachsen 400 Schnellladesäulen zu bauen. Als Marktführer im Geschäft sieht sich ENBW, bis 2020 will der Stromkonzern 1000 Schnellladestationen bauen.

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