Kolumne „Silicon Demokratie“ : Der unfreie Kanal
Digitale Kommunikation komme ohne Vermittler aus, sagen die Netzapologeten. Doch statt auf Verlage und Buchhandlungen setzen sie auf kommerzielle Plattformen und algorithmische Zensoren.
“Disintermediation“ wird oft als Wesensmerkmal des digitalen Zeitalters gepriesen. Durch innovative Technologien, so die These, werden Vermittler aller Art überflüssig. Wenn Lektoren, Verlage und Buchhandlungen abgeschafft sind, werden wir endlich befreit sein von ihren Vorurteilen, ihrer Inkompetenz und ihren versteckten Zielen. Um Jeff Bezos von Amazon zu zitieren, den Oberabschaffer, wenn es je einen gegeben hat: „Selbst wohlmeinende Gatekeeper behindern Innovation. Wenn eine Plattform sich selbst organisiert, können noch die absurdesten Ideen ausprobiert werden, weil niemand daherkommt und mit Expertenmiene sagt: ,Das funktioniert nicht.’“ Selbst wenn Bezos recht hat, so übersieht er einen wichtigen Aspekt der Story: Die Digitalisierung unseres Lebens führt zu vielen neuen, meistens unsichtbaren und womöglich fragwürdigen Vermittlern.





