Zensur kritischer Medien : Erdogan macht sich die Türkei untertan

Zuletzt ließ Recep Tayyip Erdogan den Medienkonzern Koza Ipek stürmen. Kurz vor den Wahlen in der Türkei ist er sich für nichts zu schade. Wie ein Staatspräsident zum Diktator wird.
Vor wenigen Tagen, am 29.Oktober, wurde in der Türkei der 92.Geburtstag der türkischen Republik gefeiert. Es war ein trauriger Tag: Modern, demokratisch, westlich orientiert und säkular wollte das Land einmal sein. Viel übrig geblieben ist davon nicht. Bei den Wahlen am morgigen Sonntag wird sich zeigen, ob es noch eine Zukunft für jene gibt, die dieses Ziel weiterhin verfolgen. Groß ist die Hoffnung nicht. „Die neue Türkei“, zu der Staatspräsident Erdogan und dessen AKP das Land umformen wollen, hat schon zu sehr Gestalt angenommen. Der Friedensprozess mit den Kurden liegt am Boden, die Gräben zwischen Säkularen und Religiösen sind so tief wie lange nicht – von einem „gemäßigten Islam“ redet heute niemand mehr. Die Sicherheitskräfte agieren wie eine Guerilla im eigenen Staate, auf Intellektuelle wird massiver Druck ausgeübt, die Justiz ist zu einem Lakaien im Dienste der Regierung geworden, und nur noch wenige Zeitungen und Fernseher können sich der medialen Gleichschaltung entziehen, die unter der AKP-Regierung seit Jahren vorangetrieben wird. In der Türkei hat allein Erdogan das Sagen. Er duldet weder Widerspruch noch Kritik. Das jüngste Opfer seines Autoritarismus ist nun das Koza-Ipek-Medienhaus. Es gehörte zu den wenigen in der Türkei, deren Zeitungen und Fernsehsender noch regierungskritisch berichten.





