In medias res
Woge, wilde Welle, wabere, wehender Nebel: Wer sich in den vergangenen beiden Wochen mit sechs Stunden "Wilde Wellen" die ZDF-Pilcherei in der Bretagne als mystisch breitgetretenen Quark angetan hat, könnte sich die Amnesie wünschen, ...
Woge, wilde Welle, wabere, wehender Nebel: Wer sich in den vergangenen beiden Wochen mit sechs Stunden "Wilde Wellen" die ZDF-Pilcherei in der Bretagne als mystisch breitgetretenen Quark angetan hat, könnte sich die Amnesie wünschen, unter der die Hauptfigur Marie Lamare (Henriette Richter-Röhl) nach brav in Szene gesetztem, dramaturgisch wahnsinnig wichtigem Schusswechsel in der ersten Folge litt. Ihr entging lange Zeit alles, was dem Zuschauer nach zehn Minuten klar war: dass der schnieke Paul Racine (Johannes Zirner) mit Marie seine Schicksalsfrau sucht; dass Pauls verschollen geglaubte Mutter Celine (Angela Roy) als Druidin und Sekretärin des Machtmenschen Leon Menec (Hanns Zischler) Gutes bewirkt; dass Leons skrupellose Ehefrau Claire (Katja Weitzenböck) selbst vor Mord nicht zurückschreckt; dass Leons Ex-frau, die Künstlerin Sabine du Maurier (Eleonore Weisgerber), mit goldigem Herzen und Erbschaftsanwärterin auf ihr eigenes Liebescomeback hofft; dass Maries Vater Michel Dumont (Ulrich Pleitgen fürchterlich überziehend) unter einem Geheimnis leidet, das mit einem Schiffsuntergang vor dreißig Jahren und zwölf toten Seeleuten zu tun hat. Das ist nur eine Auswahl der Motive der Drehbuchautorin Christiane Sadlo, besser bekannt unter dem Markennamen Inga Lindström. Soapdramaturgie, Familiendramen auf Vorabendserienniveau, tapfer beschworene Mysterien, schuldhafte Verstrickungen, keuscher Sex und Postkartenansichten der Bretagne: Es mag schön da sein, am Ende der Welt. Hier war es leider eine Gegend ohne jede Atmosphäre. Es half auch nichts, dass der Hund der Druidin Merlin hieß. Vergessenszauber, wirke.





