Die Füße von Vizepräsident Lyndon B. Johnson
In der beispielhaft genauen Serie von Rainer Blasius über die politischen Hintergründe der Errichtung der Berliner Mauer (zuletzt: "Insel der Freiheit", F.A.Z. vom 19. August) wird auch - unter Verweis auf das Buch von Frederick ...
In der beispielhaft genauen Serie von Rainer Blasius über die politischen Hintergründe der Errichtung der Berliner Mauer (zuletzt: "Insel der Freiheit", F.A.Z. vom 19. August) wird auch - unter Verweis auf das Buch von Frederick Kempe - vom Schuh- und Porzellankauf des amerikanischen Vizepräsidenten (und späteren Präsidenten) Lyndon B. Johnson während seines Besuchs in West-Berlin im August 1961 berichtet.
Willy Brandt selbst hat die Einkaufstour in seinem Erinnerungsbuch "Begegnungen und Einsichten" von 1976 noch komischer geschildert: Johnson habe zwei unterschiedlich große Füße gehabt, deshalb mussten "aus einem längst geschlossenen Geschäft" (es handelte sich um die Firma Leiser) "jeweils zwei Paare" angeliefert werden. Er wolle jetzt Taten sehen - damit reizte Johnson den Regierenden Bürgermeister auch zur Besorgung "einer Kollektion von elektrischen Rasierapparaten, die als Reisepräsente für einen Freund gedacht waren", und zum Besuch der Porzellanmanufaktur (KPM), wo Johnson - dem gerade ein Porzellanservice als Gastgeschenk überreicht worden war - "ein noch größeres für repräsentative Zwecke" bestellte. Schließlich wurde der Direktor der Porzellanmanufaktur noch in Johnsons Hotel bestellt, "um einen Auftrag für ein größeres Quantum kleiner Aschenbecher" entgegenzunehmen. Johnsons "entwaffnende Erklärung" war laut Brandt: "They look like a dollar and cost me only 25 cents."
Michael Herde, Berlin





