RESPONSIBLE LEADERSHIP 2026 : Verantwortung muss sich in der Praxis bewähren

Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gehören zusammen. Die 15. Responsible Leadership Conference zeigte, wie Unternehmen den Wandel gestalten können – mit tragfähigen Geschäftsmodellen,langfristiger Planung und Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Ein Wald lässt sich nicht im Takt von Quartalsberichten umbauen. Doch entschieden wird über die Transformation heute: bei Investitionen und im Austausch mit Beschäftigten. Wie Verantwortung unter Kostendruck gelingt, beschäftigte die Teilnehmer der 15. Responsible Leadership Conference des F.A.Z. Instituts am 12. und 13. Oktober in Düsseldorf. Gastgeber war Design Offices.
„Volle Kraft voraus – Zukunft weiter denken. Verantwortung leben.“
René Schmidpeter, Vorsitzender der Initiative Verantwortung, plädierte für flexible Geschäftsmodelle. Mit Moderatorin Melanie Böff und Stefanie Wolf, Leiterin der Initiative Verantwortung, begleitete er den Austausch.
Nachhaltigkeit muss in der Mitte der Wirtschaft ankommen, betonte Henrik Pontzen, Chief Sustainability Officer von Union Investment. Nicht allein Vorreiter sind entscheidend. Belastbare Daten machen Fortschritte bewertbar; Investitionen und Zwischenziele schaffen Glaubwürdigkeit.
Wie anspruchsvoll das ist, zeigte das Industriepanel: Lufthansa Cargo setzt auf Technologie und Effizienz, braucht für nachhaltige Energie aber auch die Zahlungsbereitschaft der Kunden. Körber arbeitet mit Zulieferern und Kunden an emissionsärmeren Maschinen. FERALPI STAHL verbindet Schrottverwertung und Wärmenutzung mit Produktivität. Die Verlagerung von Transporten auf die Schiene hängt wiederum von leistungsfähiger Infrastruktur ab. Verantwortung endet nicht am Werkstor.
Im Gespräch über „Die VW-Story“ ging es um unabhängige Aufsichtsräte und verlässliche Informationen. Unternehmen sollen über Jahrzehnte funktionieren, nicht nur über Quartale.

Martin Fecke, CEO von BKW Engineering, warb für gemeinsame Planung von Beginn an. Gebäude und Quartiere brauchen Perspektiven für spätere Nutzungen und Wiederverwertung. Klare Verantwortlichkeiten an den Schnittstellen helfen, aus Komplexität tragfähige Lösungen zu machen.
Auch Wälder brauchen vorausschauende Entscheidungen. Forstwirt Carl-Anton zu Waldeck und Pyrmont setzt auf Vielfalt: Unterschiedliche Baumarten eröffnen Optionen für veränderte Klimabedingungen. Lara C. Ebert von Pina Earth erläuterte, wie regionale Klimabeiträge den Waldumbau finanzieren können. Sie ergänzen die Reduktion eigener Emissionen, ersetzen sie aber nicht. Transparente Methoden schaffen Glaubwürdigkeit; Martin Schüller von Fairtrade Deutschland hob die Mitbestimmung der Produzenten hervor.
Arbeitsorte machen Unternehmenskultur sichtbar. Stefanie Lürken, Country Manager Germany und Sales Vice President bei Regus Management, stellte die Gestaltung der Arbeitsumgebung als Führungsaufgabe heraus. Entscheidend sei der richtige Ort zur richtigen Zeit: wohnortnah, flexibel und passend zur jeweiligen Aufgabe. Beschäftigte wünschen sich Wahlfreiheit zwischen Homeoffice und Unternehmensstandort. Persönliche Anwesenheit müsse einen Mehrwert bieten – durch Austausch, Zusammenarbeit und Inspiration. Räume können so Vertrauen, Zugehörigkeit und Identifikation stärken.
Verantwortung umfasst ebenso den Gesundheitsschutz. Susann Hinz von der AOK Hessen verband Klimaanpassung mit Prävention: Hitzeschutz verlangt individuelles Verhalten und angepasste Arbeitsbedingungen. Angebote sollen mit den Beschäftigten entstehen.
Jennifer Töpperwein vom Düsseldorfer Jugendportal youpod.de forderte, junge Menschen früh in Entscheidungen einzubeziehen. Das Panel über Wissenschaft und Technologie widmete sich den Fähigkeiten für die Transformation: Fachwissen, digitaler Kompetenz und interdisziplinärem Austausch. KI kann unterstützen, ersetzt aber nicht die kritische Prüfung eigener Denkweisen. Dass Verantwortung klare Regeln braucht, zeigte auch der WestLotto-Podcast „SpielStudio“ zum wissenschaftlich fundierten Spielerschutz.

Kreislaufwirtschaft beginnt nicht erst beim Recycling. Martin Stengel von AfB social & green IT stellte Reparatur und Wiederverwendung in den Mittelpunkt. Marcus Sagitz von PreZero International warnte zugleich vor fehlenden Absatzmärkten für Sekundärrohstoffe. Wer Europa unabhängiger machen will, muss seine Recyclinginfrastruktur erhalten. Dina Barbian vom eco2050 Institut für Nachhaltigkeit sieht darin eine Zukunftsfrage der deutschen Wirtschaft.
Beim Circularity Champion Award wurden PreZero Battery Recycling und Hansgrohe für Recycling und Rückgewinnung ausgezeichnet, AfB für Wiederverwendung, NOVO-TECH für Design, COMPO EXPERT für Cradle to Cradle und Madaster Germany für systemisches Umdenken. Der Maßstab der Jury: Pioniere sollen Geschäftsmodelle verändern und zur Nachahmung bewegen. Dafür müssen ihre Ansätze wirtschaftlich tragen.
Auch die Konferenz verbindet Austausch mit Handeln. Im Rahmen der Kooperation mit Plastic Fischer holt das Unternehmen für jeden Teilnehmenden ein Kilogramm Plastik aus Flüssen, das sonst ins Meer gelangen würde. Gründer Karsten Hirsch verbindet den Schutz der Ozeane mit sozialer Verantwortung: Vollzeitstellen und faire Löhne gehören zum Ansatz.
Der Dialog wird fortgesetzt: Die nächste Responsible Leadership Conference findet am 20. und 21. Oktober 2027 auf dem Gonsberg Campus in Mainz statt.


