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Libidoforschung : Die Lust der Frauen

Von wegen nymphoman oder prüde: Wie Frauen begehren, können sie heute selbst bestimmen. Bild: Picture-Alliance

Weibliche Sexualität soll und darf heute ausgelebt werden. Wenn es mal hapert, könnten bald Pillen helfen. Aber die alte Frage bleibt: Was will eine Frau wirklich?

          9 Min.

          Ihre Libido stellt sie sich vor wie eine Frau, die wachsen und dicker werden kann. Findet sie einen Mann attraktiv, drängt sich die Begierde vor und fängt an, sich aufzublähen. „Ich kann den Typen kaum noch sehen, hüpfe hoch und versuche ihr über die Schulter zu gucken, frage mich nur noch: Was macht die da schon wieder?!“, staunt eine Autorin in der Erstausgabe des Magazins Séparée über sich und ihr anderes Ich. Bleibt sie vernünftig und fährt allein mit ihrer Libidofrau nach Hause, macht sich die im Bett so breit, dass an Schlaf nicht zu denken ist. Also gibt sie ihr ein Betthupferl.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Welcher Art, wird nicht verraten. Séparée liefert an anderer Stelle genügend stimulierende Bilder und Geschichten für das Kopfkino. Das Hochglanzmagazin will ausdrücklich der weiblichen Lust dienen. Einem Mysterium. Im Laufe der Geschichte hat sie schon vielerlei Gestalt annehmen müssen, fast immer wurde sie dabei in ein enges gesellschaftliches Korsett geschnürt. Auch in Europa wünschte man sich Mädchen und Frauen tugendhaft zurückhaltend, nur der Ehe und Mutterschaft verpflichtet. Verhielten sie sich irgendwie lasziv, galten sie schnell als nymphoman und behandlungsbedürftig. Selbst wenn Frauen heute darauf bestehen, ihre Vorstellungen auszuleben, sind sie selten so frei von äußeren Einflüssen, wie sie es vielleicht gerne wären.

          Dass eine imaginäre Alice Schwarzer beinahe den Spaß verdirbt, wie es sich Charlotte Roche in den „Schoßgebeten“ ausmalt, dürfte vergleichsweise selten beim Akt passieren. Das Frauenbewegungshirn und der Sex: Humorvoll setzt sich damit die amerikanische Feministin Jaclyn Friedman in ihrem Essay „My Sluthood, Myself“ auseinander; sie will eben nicht allein, mit einer verkümmerten Vagina und - da allergisch - ohne Katzen sterben. Aber auch keinem Axt-Mörder zum Opfer fallen beim Rendezvous.

          Die Facetten der Begierde

          Oft ist es die Angst, die Frauen hemmt, ihrer Lust nachzugeben. Oder Scham. Die Unkenntnis des eigenen Körpers kann ihr Empfinden stören. Außerdem folgen Frauen wie Männer noch den traditionellen Mustern und wagen nur zögernd einen Ausbruch. Neben psychischen, sozialen und gesellschaftlichen Faktoren wirken zig weitere auf das Sexualleben ein. Man könnte von einem komplexen, multidimensionalen Mosaik sprechen, in dem alle Sinne ihren Platz haben, Hormone und Neurotransmitter, Nerven- und Blutbahnen, Muskelstränge, das Gehirn und jede Menge Rezeptoren mitsamt den entsprechenden Botenstoffen. Nicht zu vergessen die jeweiligen Genvarianten und epigenetischen Prägungen, die ein Individuum formen. Stress und Beziehungen wirken drauf ein, Erfahrungen färben ab, und so entwickelt jede Frau ihr eigenes Repertoire. Die eine liebt es dann vielleicht nur im Dunkeln, die andere ist eher exhibitionistisch veranlagt, mag es sanft oder animalisch wild.

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