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Besser als ihr Ruf : Das Zerrbild der Globalisierung

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Die Ursprünge der Globalisierung sind ökonomischer Natur, doch Globalisierung ist mehr Bild: REUTERS

Für manche ist die Globalisierung die Ursache großer Übel – vom Sozialabbau bis zur blanken Ausbeutung. Dabei zeichnen empirische Studien ein ganz anderes Bild.

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          Die Finanzkrise hatte einige Ökonomen zweifeln lassen: Hatten wir uns mit der Globalisierung doch verrannt? Immer mehr internationalen Wettbewerb, immer schneller, immer weiter? Den Globalisierungskritikern war es in den letzten Jahren ein Leichtes, Kapitalismus und Globalisierung zu verteufeln.

          Wer wissen mag, was uns die Globalisierung gebracht hat, der muss zunächst einmal klären, was Globalisierung ist. In der Wissenschaft ist „Globalisierung“ ein Schlagwort, das sich gut macht, um wissenschaftliche Aufsätze zu veröffentlichen. Deshalb wird oft von Globalisierung gesprochen, auch wenn ganz explizit nur Teilaspekte wie Außenhandel, ausländische Direktinvestitionen oder die Abschaffung von Kapitalverkehrskontrollen untersucht werden.

          Die Ursprünge von Globalisierung sind ökonomischer Natur. Doch Globalisierung ist mehr. Die Wissenschaftler der Konjunkturforschungsstelle (KOF) an der ETH Zürich haben einen umfassenden Index entwickelt, der die ökonomischen, sozialen und politischen Aspekte von Globalisierung abbildet. Ökonomische Globalisierung beinhaltet beispielsweise Variablen wie Außenhandel und ausländische Direktinvestitionen. Soziale Globalisierung beschreibt den Austausch von Informationen und Ideen zwischen Menschen und bildet kulturelle Ähnlichkeiten ab. Gemessen wird dies beispielsweise damit, wie viele Menschen in einem Land das Internet nutzen. Politische Globalisierung misst beispielsweise Mitgliedschaften in internationalen Organisationen wie der Weltbank und die Teilnahme an Aktionen des UN-Sicherheitsrates.

          In mehr als 150 empirischen Studien ist der KOF-Index mittlerweile verwendet worden. Diese Studien hat der Verfasser in einer aktuellen Forschungsarbeit analysiert und die Konsequenzen der Globalisierung herausgearbeitet („The evidence on globalization“, im Erscheinen).

          Die Staatsquote ist gestiegen

          Kritiker fürchten, dass Globalisierung den Einfluss des Staates zurückdrängt. Globalisierung befeuert tatsächlich den Wettbewerb zwischen Staaten. Regierungen wollen ihre Staaten als attraktive Standorte erhalten, zum Beispiel durch niedrige Steuersätze auf mobiles Kapital. Aus- und inländische Investoren überlegen sich gut, in welchem Land sie investieren. Das Steuersenkungsspiel schaukelt sich auf, so dass die Steuersätze in den Boden fallen (Race-to-the-bottom-Hypothese oder Effizienzhypothese). Mit zu niedrigen Steuersätzen brechen den Regierungen die Einnahmen weg. Wenn keine unermesslich hohen Schulden gemacht werden sollen, dann müssen zwangsweise Staatsausgaben geringer ausfallen. Erstes Sparopfer, so fürchten die Kritiker, werden Sozialausgaben sein.

          Andere Ökonomen wie Dani Rodrik (Harvard) haben hingegen argumentiert, dass mit zunehmender Unsicherheit im Zuge der Globalisierung Regierungen insbesondere Sozialleistungen erhöhen werden und die Staatstätigkeit ausgeweitet wird (Kompensationshypothese).

          Diese gegensätzlichen Theorien verlangen empirische Tests. Einige Studien wie ein Vergleich von 186 Ländern durch Stephanie Meinhard und den Verfasser („The globalization-welfare state nexus reconsidered“, Review of International Economics) entziehen der Race-to-the-bottom-These den Boden. Sie belegen nicht, dass die Staatstätigkeit im Zuge der Globalisierung geringer geworden ist. Im Gegenteil, die Staatsquote ist vielmehr von 1970 bis 2004 im Zuge der Globalisierung gestiegen. In vielen Industrieländern ist sogar mehr vom Staat für soziale Belange ausgegeben worden. Die Sozialleistungsquoten sind insbesondere in den skandinavischen Ländern hoch – wie der Globalisierungsgrad auch.

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