https://www.faz.net/-gqe-6ut67

Warenhauskette : Großes Interesse an Kaufhof

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Mehrere mögliche Investoren buhlen um den Warenhauskonzern. Der bisherige Eigentümer Metro hat nun auch Gespräche mit dem Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen bestätigt.

          2 Min.

          In den Verkaufsprozess der Kölner Warenhaus-Gruppe Galeria Kaufhof kommt unerwartet Bewegung. Der Eigentümer des Unternehmens, der Metro-Konzern, bestätigte das Interesse verschiedener Investoren. So wurden erste Sondierungsgespräche mit der Signa-Holding aus dem österreichischen Innsbruck geführt. Die Immobiliengruppe des Unternehmers Réne Benko will das ganze Kölner Traditionsunternehmen zu einem Kaufpreis von angeblich 2,4 Milliarden Euro übernehmen, also sowohl das operative Warenhausgeschäft als auch die Kaufhaus-Immobilien.

          Wie es von Metro weiter hieß, hat es jüngst auch Gespräche zwischen dem Metro-Management und dem Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen über den möglichen Erwerb von Kaufhof gegeben. Berggruen kommentierte das nicht. Der deutsch-amerikanische Investor, der im Sommer vergangenen Jahres als Sieger aus einem erbitterten Bieterkampf um Karstadt hervorgegangenen war, sieht indes dem Vernehmen nach eine große wirtschaftliche Logik in der Zusammenführung der beiden Warenhausgesellschaften zu der in der Vergangenheit mehrfach diskutierten Deutschen Warenhaus AG.

          Bisher keine exklusiven Gespräche

          Deshalb dürfte auch er jetzt seinen Hut in den Ring werfen. Wiederholt wurde zuletzt auch dem spanischen Kaufhausimperium El Corte Inglés Interesse am Einstieg bei Kaufhof nachgesagt. Exklusive Gespräche werden nach Angaben von Metro bisher mit keiner Partei geführt. Auch gebe es noch keine formelle Buchprüfung (Due Diligence), so dass kein baldiger Abschluss zu erwarten sei. Insofern wurden von der Metro-Aufsichtsratssitzung am Mittwoch keine Entscheidungen erwartet.

          Bilderstrecke

          Der scheidende Metro-Vorstandvorsitzende Eckhard Cordes hatte die Kölner Tochtergesellschaft 2008 auf die Verkaufsliste gesetzt. Das 1879 von Leonhard Tietz gegründete, 1996 auf die Metro verschmolzene Unternehmen erwirtschaftet seinen Umsatz von zuletzt rund 3,5 Milliarden Euro fast ausschließlich im Inland. Von sämtlichen Metro-Aktivitäten arbeitet Kaufhof derzeit zwar mit den besten Renditen. Das deutsche Warenhaus-Geschäft, das nur einen Bruchteil des gesamten Konzernumsatzes ausmacht, passt aber aus Sicht des Vorstands nicht mehr zur Internationalisierungs-Strategie der Metro, die ihre Mittel vorzugsweise in die Auslandsexpansion stecken will. Nach früheren Aussagen will Cordes zwischen 2 und 3 Milliarden Euro für Kaufhof erlösen. Nachdem die Verkaufsbemühungen nicht zuletzt wegen der Finanzkrise bisher ohne Erfolg geblieben sind, könnte es zu einem Übernahmekampf um den Kaufhof und seine 139 Standorte kommen.

          Benko will alle Arbeitsplätze erhalten

          Der österreichische Investor Benko will das Kölner Warenhausunternehmen in eine langfristige Zukunft führen und alle Arbeitsplätze erhalten. „Die von mir gegründete und geführte Signa-Gruppe ist keine Heuschrecke, sondern ein grundsätzlich langfristig agierendes Privatunternehmen“, sagte Benko dieser Zeitung. Die Strategie seines 2000 gegründeten Unternehmens ziele auf den Erwerb attraktiver Innenstadtimmobilien. „Bei Kaufhof sind wir aber auch am operativen Warenhausgeschäft interessiert.“ Für den 34 Jahre alten Österreicher ist Deutschland nach seinem Heimatland der zweitwichtigste Markt für seine Investments.

          Hierzulande hat er bisher rund eine Milliarde Euro investiert. So hat die Gruppe unter anderem die Immobilien des Münchener Karstadt-Nobelkaufhauses Oberpollinger sowie des Karstadt-Sporthauses in München aus dem Besitz der Highstreet-Gruppe erworben. In Düsseldorf hat Signa im Frühjahr gemeinsam mit dem Projektentwickler Centrum das innerstädtische Einkaufszentrum Sevens gekauft. Man werde in den kommenden Wochen die Gespräche mit Metro intensivieren, unter anderem mit Hilfe des demnächst in den Signa-Beirat einrückenden früheren Porsche Chefs Wendelin Wiedeking. „Wir gehen davon aus, noch in diesem Jahr zu einem Abschluss zu kommen“, kündigte Benko an. Sollte es soweit kommen, könnte sich nicht nur der verschuldete Metro-Großaktionär Haniel über eine Sonderausschüttung freuen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ist die Welt noch zu retten? Eine Frau bei einer Demo in Lissabon.

          Raus aus der Klimakrise : „Moralappelle bringen nichts“

          Der Kölner Spieltheoretiker und Verhaltensökonom Axel Ockenfels erklärt im Interview, wo der Knackpunkt im Klimakonflikt liegt – und auf welcher Grundlage das Problem von der Weltgemeinschaft gelöst werden könnte.

          Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

          Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.