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VW-Chef Müller : „Volkswagen war ein obrigkeitshöriger Konzern“

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Matthias Müller Bild: dpa

In einem Interview geht Volkswagen-Chef Matthias Müller mit seinen Vorgängern hart ins Gericht. Müller will den Konzern weniger hierarchiegläubig ausrichten. Beim Thema Kartellabsprachen bleibt er wortkarg.

          Volkswagen-Chef Matthias Müller wirft den früheren VW-Managern Martin Winterkorn und Ferdinand Piech vor, die Zukunft des Automobilgeschäfts verkannt zu haben. „Die beiden haben sich aus heutiger Sicht zu wenig damit beschäftigt, wie die Welt in 10 oder 20 Jahren aussehen könnte. Volkswagen hatte ja nie eine echte Strategie-Abteilung“, sagte Müller der „Rheinischen Post“. „Volkswagen war ein hierarchisch organisierter und obrigkeitshöriger Konzern, und viele Entscheidungen wurden ganz oben getroffen - speziell Produktentscheidungen.“

          In Sachen Konzernpersonal will Müller einen neuen Weg einschlagen: „Wir wollen Volkswagen jünger, weiblicher und internationaler machen. Und weniger hierarchiegläubig. Aber so ein Wandel braucht Zeit.“ Eine Situation sei ihm besonders im Gedächtnis geblieben: „Als ich das erste Mal in die Kantine zum Mittagessen gegangen bin, ist einigen Mitarbeitern beinahe die Gabel im Mund stecken geblieben. Mittlerweile behandeln sie mich in der Regel wie jeden anderen Kollegen.“

          VW-Chef Müller will weiter nach Amerika reisen

          Zum Dieselskandal und Abgasbetrug, der den Konzern viel Ansehen und Geld kostete, sagte der VW-Chef: „Was Volkswagen angeht, kann ich mich bei unseren Kunden nur entschuldigen. Wir stellen das Unternehmen deswegen auch auf den Kopf, damit so etwas in Zukunft nicht mehr möglich ist.“

          Trotz der Verhaftung von einzelnen Managern will VW-Chef Matthias Müller weiter in die Vereinigten Staaten reisen. „Gegen mich liegt ja nichts vor. Ich werde deshalb auch im Herbst wieder in die Vereinigten Staaten fliegen, allerdings nicht ins Silicon Valley, sondern an die Ostküste, um mich dort mit Politikern zu treffen“, sagte Müller der Zeitung Er meide die Vereinigten Staaten nicht. „Warum sollte ich? Das ist ein schönes Land und ein für uns sehr wichtiger Markt“, so Müller.

          Angesichts drohender Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge in deutschen Innenstädten wünscht sich Müller eine verbindliche Lösung auf Bundesebene. „Die Verunsicherung ist ja groß. Das spüren wir auch an den Diesel-Bestellungen, die merklich zurückgegangen sind“, sagte der Manager des Autokonzerns der „Rheinischen Post“ (Samstag). Er erwarte daher vor allem, „dass es auf Bundesebene eine Lösung gibt, die für unsere Kunden Verbindlichkeit herstellt“. Bislang liegt die Zuständigkeit für Fahrverbote in der Verantwortung der Kommunen. Müller sagte weiter: „Fahrverbote sehen wir generell als falschen Schritt an. Und bitte nicht vergessen: Das Auto ist ja nur ein Teil des Problems.“

          Bei einem „Diesel-Gipfel“ am 2. August wollen der Bund und mehrere betroffene Länder mit der Autobranche Nachrüstungen für Diesel der Emissionsklassen Euro 5 und 6 vereinbaren, um Schadstoff-Emissionen zu reduzieren.

          Zum Bericht des "Spiegel" über Kartellabsprachen der Autobauer sagte der VW-Chef nur: „Zu Spekulationen und Sachverhaltsvermutungen auf Grundlage der Spiegel-Berichterstattung äußern wir uns nicht.“

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