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Restaurantkette : „Was bei Vapiano passiert ist, kann Anlegern nicht gefallen“

Vapiano ist in der Krise. Auf der Hauptversammlung wird es hoch hergehen – Bild aus einer Filiale in Fürth. Bild: obs

Vapiano schließt Journalisten von seiner Hauptversammlung aus. Dort geht es hoch her. Kommt das Unternehmen aus der Krise?

          Hohe Verluste, ein abrupter Chefwechsel, der geplatzte Verkauf des Amerika-Geschäfts – angesichts der vielen schlechten Nachrichten steht die kriselnde Restaurantkette Vapiano derzeit stark im Blickpunkt. Zur Hauptversammlung am Mittwoch am Köln mussten sich der scheidende Vorstandsvorsitzende Cornelius Everke und seine designierte Nachfolgerin, die Aufsichtsratschefin Vanessa Hall, auf die heftige Kritik von Kleinaktionären einstellen. Schließlich notiert die vor zwei Jahren zu 23 Euro begebene Aktie nur noch bei rund 4 Euro.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Welche Sorgen die Kleinanleger umtreiben, wurde jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit erörtert. Die mitten in der Sanierung steckende Pasta-Kette ließ keine Pressevertreter zum Aktionärstreffen zu – eine zulässige, in der deutschen Unternehmenslandschaft aber äußerst selten praktizierte Vorgehensweise. So hat der Waffenhersteller Heckler & Koch in der Vergangenheit ebenfalls die Presse ausgeschlossen. Erst auf der diesjährigen Hauptversammlung durften erstmals Journalisten teilnehmen.

          Vapiano begründete die Entscheidung damit, dass sich zur Hauptversammlung in einem Kölner Hotel viele Aktionäre angemeldet hätten. Aus Kapazitätsgründen könnten deshalb keine Journalisten teilnehmen.

          „Auf der ganzen Linie gescheitert“

          „Was bei Vapiano passiert ist, kann Anlegern nicht gefallen“, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Rande der Veranstaltung. Das Unternehmen sei zu schnell gewachsen und müsse seine Kosten schleunigst in den Griff kriegen. Um die von vielen Gästen beklagten Wartezeiten zu verkürzen, hält er zudem konzeptionelle Änderungen für notwendig.

          VAPIANO SE INH. O.N.

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          „Das Expansionskonzept ist auf der ganzen Linie gescheitert“, kritisierte Andreas Massek von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Der Vorstand habe das Verbraucherverhalten in vielen Auslandsmärkten falsch eingeschätzt. Zudem sei die Ausdehnung des Filialnetzes so überhastet erfolgt, dass mitunter Restaurants im Abstand von nur 500 Metern eröffnet worden seien. An einer harten Sanierung führe jetzt kein Weg vorbei.

          Auf der Hauptversammlung unterstrich der für die Sanierung verantwortliche Vorstand Johann Stohner, dass Vapiano künftig stärker auf Franchisenehmer setzen und weniger Filialen in eigener Regie betreiben will, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete. Für das Gemeinschaftsunternehmen in Australien und die einzige chinesische Filiale in Schanghai will er bis Mitte des kommenden Jahres eine Lösung finden. Über die amerikanischen Standorte, deren Verkauf kürzlich platzte, befinde sich Vapiano derzeit mit mehreren Interessenten im Gespräch.

          Um sich die Möglichkeit einer abermaligen Kapitalerhöhung zu eröffnen, bat Vapiano seine Aktionäre um Zustimmung zur Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals in Höhe von 13 Millionen Euro, wobei das Bezugsrecht der Altaktionäre teilweise ausgeschlossen werden soll. Konkrete Pläne für eine Kapitalerhöhung bestehen derzeit aber noch nicht, wie ein Sprecher betonte. Im Mai konnte sich Vapiano nach langwierigen Verhandlungen von den Banken und den Großaktionären eine Finanzspritze in Höhe von 30 Millionen Euro sichern. Im vergangenen Herbst hatte sich das Unternehmen zudem 20 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung beschafft.

          Rund 80 Prozent der Vapiano-Aktien liegen in den Händen von drei Großaktionären. Neben dem Mayfair Beteiligungsfonds der Tchibo-Familie Herz (47 Prozent) sind dies der Vapiano-Mitgründer Gregor Gerlach (knapp 18 Prozent) und die Wella-Erben Gisa und Hans-Joachim Sander (15,5 Prozent).

          „Wenn die Restrukturierung jetzt konsequent umgesetzt wird, bin ich gern bereit, eine längere Durststrecke in Kauf zu nehmen“, sagte Hans-Joachim Sander dem „Spiegel“. „Wir müssen den Gast wieder in den Fokus rücken und unsere hausgemachten Fehler abstellen.“ Für den am Sonntagabend überraschend verkündeten Rücktritt von Vorstandschef Everke nach nur neun Monaten Amtszeit zeigte Sander wenig Verständnis.

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