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Innogy-Chef : Peter Terium wird zum fliegenden Holländer

  • -Aktualisiert am

Bild: Anna Steiner

Überraschend bekommt der Energiekonzern Innogy einen neuen Vorstandschef. Der ehemalige RWE-Chef Peter Terium wird ersetzt. Und jetzt?

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          Mit schnell vorübergehender Erleichterung hat die Börse am Mittwochmorgen auf den plötzlichen Abgang von Peter Terium als Vorstandsvorsitzender des Essener Energiekonzerns Innogy reagiert. Frühe Kursgewinne von Innogy und der Muttergesellschaft RWE zerstoben im Tagesverlauf. An der Börse hieß es, dass sich allein durch den Chefwechsel an den operativen Schwierigkeiten von Innogy zunächst nichts ändere. Der 54 Jahre alte Niederländer verlässt mit sofortiger Wirkung die Ökostromtochtergesellschaft des RWE-Konzerns. Bis auf weiteres soll Personalvorstand Uwe Tigges den Vorstandsvorsitz interimistisch übernehmen.

          Im Aufsichtsrat muss sich zuletzt große Unzufriedenheit über Teriums Arbeit aufgestaut haben. Darauf lässt schon die Formulierung in der am Dienstagabend veröffentlichten Unternehmensmitteilung schließen; zu hören ist dies aber auch aus dem weiteren Umfeld von RWE und Innogy. Der Aufsichtsrat begrüße grundsätzlich die vom Vorstand verfolgte Unternehmens- und Finanzstrategie, sehe aber die Notwendigkeit eines höheres Stellenwerts der Kostendisziplin und einer fokussierten Wachstums- und Investitionsstrategie. So klingt, gemessen an den üblichen Gepflogenheiten rund um einen Abschied, durchaus deutliche Kritik.

          Letzter Auslöser für die für Außenstehende trotz allem überraschende Trennung dürfte die vor einer Woche veröffentlichte Warnung vor einer schlechteren Geschäftsentwicklung gewesen sein. Die Kappung der Ergebnisprognosen für das jetzt zu Ende gehende Geschäftsjahr und auch die nochmals gekürzten Gewinnplanungen für das kommende Jahr hatten nicht nur den Kurs der im Mittelwerteindex M-Dax notierten Innogy-Aktie abstürzen lassen. Auch die RWE-Aktie wurde in den Strudel gerissen. Das ist nur folgerichtig, denn RWE hält noch immer rund 77 Prozent an der „grünen“ Stromgesellschaft und ist Hauptnutznießer der Gewinnausschüttungen.

          Seit 2003 im RWE-Konzern

          Grund für den magereren Ergebnisausblick sind vor allem die anhaltenden massiven Schwierigkeiten im britischen Vertriebsgeschäft. Doch damit nicht genug: Offenbar ist Terium auch mit seinen Plänen nicht gut angekommen, die Investitionen im kommenden Jahr stark zu erhöhen. Denn das wäre abermals zu Lasten des Gewinns gegangen: „Die Energiewende ist ein Marathon. Hohe Wachstumsambitionen haben kurzfristig ihren Preis, zahlen sich langfristig aber aus“, hatte der Energiemanager die jüngst gesenkten Prognosen kommentiert.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          In der Werbung klang das anders: „Energie wird Innogy“, tönten die Essener. „Energie neu denken“, lautete das Motto Teriums. Auch sein unmittelbares Umfeld hatte mit der Demission nicht gerechnet. Denn gerne war Terium noch bereit gewesen, für eine zum kommenden Jahreswechsel geplante Ausblicksseite auf 2018 in der F.A.Z. ein in die Zukunft weisendes Zitat beizusteuern: „Die Energiewende ist das technologische Megaprojekt unserer Zeit. Sie wird auch im nächsten Jahr das bestimmende Thema sein. Um die Klimaziele zu erreichen, muss jetzt aus der Stromwende auch eine Verkehrs- und Wärmewende werden. Wir müssen mehr erneuerbaren Strom in die Mobilität und die Heizungen bringen und so fossile Energieträger ersetzen. Diese Sektorkopplung wird in den nächsten Jahren das zentrale Element für den Umbau der Energiesysteme sein. Wenn uns das gelingt, machen wie die Energiewende zum Exportschlager“, hätte es dort heißen sollen – wahre Worte, gewiss, aber in der Realität eben gar nicht so einfach umzusetzen. Der gelernte Steuerprüfer war von 2003 an in verschiedenen Positionen im RWE-Konzern tätig. 2012 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden ernannt.

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