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Chinesischer Internet-Gigant : Alibaba-Chef Ma will Bill Gates von Asien werden

  • Aktualisiert am

Jack Ma, Noch-Vorstandsvorsitzender von Alibaba, im Januar 2018 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Bild: dpa

Der Gründer des milliardenschweren Internetriesen Alibaba und drittreichster Mann Chinas zieht sich zurück. Nach dem Vorbild von Bill Gates will er mit seiner Stiftung als Philanthrop wirken.

          Jack Ma, Gründer und Vorsitzender des Verwaltungsrats des chinesischen Online-Händlers Alibaba, hat seinen Rücktritt angekündigt. Er werde am Montag die Spitze von Alibaba verlassen, um sich um Bildungsfragen zu kümmern, sagte der drittreichste Mann Chinas laut eines am Freitag erschienenen Berichts der „New York Times“. Den bevorstehenden Wechsel an der Spitze des Unternehmens bezeichnete er „nicht als Ende, sondern als Beginn einer Ära“. Allerdings wolle er weiterhin im Aufsichtsrat bleiben.

          Ma hatte bereits 2013 das Amt des Konzernchefs abgegeben, doch hatte er als „Executive Chairman“ den Konzern weiterhin nach außen repräsentiert. Sein Gesicht blieb eng mit Alibaba verbunden.

          Der Chinese hatte Alibaba 1999 in seiner Wohnung in Hangzhou gegründet und zur erfolgreichsten chinesischen Handelsplattform entwickelt. In den Jahren danach entwickelte sich das Unternehmen zu einem der weltweit größten Online-Händler, vor allem mit Kerngeschäften wie Alibaba.com, TMall, und Taobao, Chinas größtem Online-Markt.

          Allein im vergangenen Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 61 Prozent auf 80,9 Milliarden Yuan (rund 10,2 Mrd Euro), wie das Unternehmen im August mitteilte. Alibaba hat 576 Millionen aktive Nutzer in seinen chinesischen Handelsplattformen.

          Nach der im August veröffentlichten Quartals-Bilanz stiegen die Erlöse im Handelsgeschäft um 61 Prozent auf 69,2 Milliarden Yuan. Bei Cloud-Diensten konnte Alibaba die Erlöse mit 4,7 Milliarden Yuan fast verdoppeln, im Geschäft mit digitalen Medien wuchs der Umsatz um 46 Prozent auf knapp sechs Milliarden Yuan.

          Kultfigur in Chinas Internetbranche

          Der Spitzenmanager ist laut „Forbes“-Liste der drittreichste Chinese mit einem Nettovermögen von 36,6 Milliarden Dollar. Er gilt in der heimischen Internetindustrie als Kultfigur. Unter seiner Leitung wurde Alibaba 1999 von 18 Jungunternehmern gegründet. Inzwischen beschäftigt Chinas größter Online-Händler 66.000 Vollzeitkräfte und ist an der Börse rund 420 Milliarden Dollar wert. Ma kontrolliert ebenfalls das Fintech-Unternehmen Ant Financial, das bei der jüngsten Finanzierungsrunde mit etwa 150 Milliarden Dollar bewertet wurde.

          Der Erfolg des Unternehmens basiert auf hohen Investitionen in Logistiknetzwerke, um Waren innerhalb Chinas auszuliefern. Dazu kam das eigene Bezahlsystem Ant Financial, ursprünglich Alipay. Alibaba wird nach Angaben der „New York Times“ auf einen Wert von 420 Milliarden Dollar (361 Mrd Euro) geschätzt.

          Das Wachstum des Unternehmens war nicht immer einfach. Unter anderem gab es Ärger mit chinesischen Behörden wegen des Verkaufs gefälschter Waren. Auch die Vereinigten Staaten setzten Alibaba in den Jahren 2016 und 2017 wegen gefälschter Markenwaren auf die schwarze Liste.

          Mitarbeiter nennen ihn „Teacher Ma“

          Je erfolgreicher Alibaba wurde, desto häufiger sprach Ma davon, dass er nicht sein gesamtes Leben seinem Unternehmen widmen, sondern sich zurückziehen und zum Unterrichten zurückkehren werde. Im Jahr 2014 gründete er mit der Jack Ma Foundation seinen eigene Stiftung, die sich der Mission verschrieben hat, die Bildungssituation im ländlichen China zu verbessern.

          Der Microsoft-Mitgründer und Philanthrop Bill Gates sei ihm da ein Vorbild, wie Ma in einem Interview mit Bloomberg TV vor Kurzem sagte. Nicht ohne Grund ist Ma innerhalb seines Konzerns als „Teacher Ma“ bekannt.

          Montag, der 10. September, ist nicht nur Mas 54. Geburtstag, sondern auch ein Feiertag in China, der als „Teacher's Day“ bezeichnet wird.

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