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Zwei Staaten im Machtspiel : Flügelkampf macht Air France-KLM zum Politikum

Zwischen Frankreich und den Niederlanden kommt es wohl zu Turbulenzen. Bild: AFP

Die Niederlande kaufen heimlich Anteile der Air France-KLM und ziehen mit den Franzosen gleich. Das provoziert die französische Regierung.

          In der französisch-niederländischen Fluggesellschaft Air France-KLM entbrennt ein so bisher nicht gekannter Machtkampf zwischen den beiden beteiligten Staaten. Den Haag hat heimlich Anteile aufgekauft und mit den Franzosen und ihrem Anteilspaket von gut 14 Prozent gleichgezogen, wie die Regierung am Mittwochabend mitteilte. Ein Brief des Finanzministers Wopke Hoekstra ans Parlament zeigt ungewöhnlich offen den Frust der Regierung – und wie sie sich in dem Kombi-Unternehmen bisher benachteiligt fühlt.

          Klaus Max  Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir haben in den vergangenen Jahren verschiedene Male erlebt, dass der niederländische Teil nicht ausreichend in wichtige Entscheidungen für das gesamte Unternehmen einbezogen wurde“, schreibt der christdemokratische Hoekstra zusammen mit der rechtsliberalen Verkehrsministerin Cora van Nieuwenhuizen an die Zweite Kammer. So sei das Kabinett nicht zur strategischen Kooperation mit Delta Airlines und China Eastern Airlines konsultiert worden – auch nicht zu zwischenzeitlichen Einstiegsplänen des Hotelkonzerns Accor.

          Die Regierung gab bekannt, dass sie für 744 Millionen Euro ein Paket von 14 Prozent aufgekauft habe. Erst hatte man sich 12,68 Prozent gesichert. Allerdings behält Frankreich mehr Gewicht, denn für Anteile, die seit mehreren Jahren gehalten werden, gilt doppeltes Stimmrecht.

          Sorge um Amsterdamer Flughafen Schiphol

          Der niederländische Staat hatte bislang keinen Anteil am Konzern, nur ein 6-Prozent-Paket an der Tochtergesellschaft KLM. Wie aus dem Ministerbrief hervorgeht, beauftragte das Finanzministerium die Bank ABN Amro, Anteile am regulierten Markt und über private Transaktionen zu erwerben. Die Staatsschulden nähmen durch die Transaktion zu.

          Auffälligerweise nennen die Minister als ersten Grund für das „öffentliche Interesse“ des Einstiegs den Amsterdamer Flughafen Schiphol. Sie fürchten um seine Funktion als Drehscheibe und äußern die Sorge, dass immer mehr Flugverbindungen nach Paris verlagert werden könnten. „Das interkontinentale Netz von Schiphol ist von großer Bedeutung für die niederländische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt.“ Viele Konzerne wählten den Standort Niederlande wegen der guten Erreichbarkeit. Einer Untersuchung zufolge hingen an Schiphol 113 900 Arbeitsplätze. Die Idee zu dem Anteilskauf bestand schon länger. Die Regierung betont aber, die Fusion beider Fluggesellschaften sei von Nutzen.

          Die Aktie verlor mehr als ein Zehntel an Wert. Verstimmt reagierte Frankreich, das nach eigenen Angaben überrumpelt wurde. Der Schritt der niederländischen Regierung sei „unverständlich“ und unerwartet, sagte Finanzminister Bruno Le Maire in Paris. Noch in dieser Woche wolle er mit Hoekstra zusammentreffen zu einem „freimütigen und freundlichen, aber vor allem freimütigen“ Gespräch, sagt Le Maires Sprecher. Präsident Emmanuel Macron forderte die Regierung in Den Haag auf, ihre Absichten zu erklären.

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          Das 2003 auf den Weg gebrachte Bündnis gilt schon immer als spannungsreich. Niederländer fürchten seit Anbeginn, die Franzosen könnten zu viel Einfluss bekommen. KLM stellt den kleineren Konzernteil, aber der operative Gewinn war 2018 in etwa viermal so groß wie jener der Franzosen, die von Streikfolgen belastet waren. Auch ohne den Ausstand hätte KLM die höheren Margen erzielt. Anders als im Lufthansa-Konzern, wo Tochtermarken mittlerweile betont Teil einer Gruppe sind, agieren Air France und KLM nach außen sehr unabhängig voneinander. Zuletzt hatte der neue Konzernchef Benjamin Smith mit seinem Bestehen auf einen Sitz im KLM-Verwaltungsrat für Wirbel gesorgt. Dem widersetzten sich die Niederländer lange. Zeitweise drohte der Vertrag des KLM-Chefs Pieter Elbers nicht verlängert zu werden – was den Konflikt verschärfte.

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