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Bestellplattformen im Internet : Lieferheld schluckt Pizza.de

Pizza aus dem Netz Bild: AP

Hunderttausendfach finden Hungrige und Restaurants über das Internet zueinander. Der Markt der Vermittlungsplattformen ist hart umkämpft. Nun kommt es zu einer weiteren Fusion.

          2 Min.

          Statt beim Pizzabäcker ihrer Wahl anzurufen, bestellen immer mehr Menschen hierzulande ihr Essen über das Internet nach Hause. Oft tun sie das über eine der vier großen Vermittlungsplattformen: Lieferando, Lieferservice.de, Pizza.de oder Lieferheld. Sie zeigen Hungrigen die Lieferdienste in ihrer Nähe an. Schon im vergangenen Jahr prophezeite der Chef der Bestellplattform Lieferheld für den deutschen Markt: „Am Ende wird es einen Gewinner geben und bis zu zwei weitere Anbieter.“ Nun hat Östbergs Plattform Lieferheld selbst einen Schritt dahin gemacht, sich den Siegertitel auf dem umkämpften Markt zu holen. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, kauft dessen Muttergesellschaft Delivery Hero den Konkurrenten Pizza.de aus Braunschweig. Ein Newcomer schluckt damit den Oldie der Branche.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Geld verdient wird in diesem Geschäft mit der Vermittlung von Lieferdiensten und einer Beteiligung am Umsatz der Restaurants. Während Pizza.de schon seit 2007 am Markt ist und als Branchenprimus gilt, ist Lieferheld erst rund drei Jahre alt. Es handele sich um einen vollständigen Barkauf, teilte Lieferheld mit. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. In der Branche wird aber über einen hohen zwei- bis niedrigen dreistelligen Millionenbetrag spekuliert.

          Wie viel Umsatz die einzelnen Unternehmen machen, wird nicht mitgeteilt. Nach Angaben aus dem Bundesanzeiger wirtschaftete Pizza.de in den Jahren 2011 und 2012 aber profitabel. Die Lieferheld GmbH, die hiesige Tochtergesellschaft der auf 14 Märkten agierenden Delivery Hero Holding GmbH, wies in denselben Jahren Fehlbeträge in Höhe von 6 Millionen Euro und rund 11 Millionen Euro aus. Allerdings ist Lieferheld gut finanziert und hat seit Anfang des Jahres umgerechnet rund 138 Millionen Euro an neuen Mitteln von Investoren erhalten.

          Die Marke Pizza.de wird im Zuge der Übernahme nicht verschwinden. Beide Plattformen werden parallel weitergeführt. Trotzdem gibt es auch beim Braunschweiger Anbieter Veränderungen: Der Mitgeschäftsführer und Mitgründer Jochen Grote werde auf eigenen Wunsch das Unternehmen verlassen. Lieferheld-Chef Östberg werde mit der zweiten Geschäftsführerin Sybille Steinbach die Geschäfte von Pizza.de leiten. Obwohl Lieferheld mit der Übernahme Synergieeffekte heben will, bringt sie für die rund 200 Pizza.de-Mitarbeiter in Braunschweig laut Aussagen eines Lieferheld-Sprechers vorerst keine Einschnitte. Es handele sich um reine Wachstumssynergien. Derzeit habe Lieferheld Dutzende offene Stellen und suche dringend Fachleute.

          Die Übernahme ist ein weiteres Zeichen, dass sich der Markt konsolidiert. Erst im April war aus dem Vierkampf der großen Anbieter ein Dreikampf geworden. Damals hatte das niederländische Unternehmen Takeaway.com, das hierzulande unter dem Angebot Lieferservice.de aktiv ist, den Wettbewerber Lieferando übernommen. Auch damals gab es keine Angaben zum Kaufpreis, in der Branche war aber von mindestens 50 Millionen Euro die Rede. So scheint sich nach dem Zusammenschluss von Lieferheld und Pizza.de nun die Prophezeiung von Niklas Östberg aus dem vergangenen Jahr zu bewahrheiten. Auch wenn alle Marken weiter aktiv sind, stehen dahinter nur noch zwei Anbieter: Lieferheld und Lieferservice.de.

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