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Carsten Germis (cag.)

Kommentar : Darin liegt die Chance für Volkswagen

  • -Aktualisiert am

Mit Samthandschuhen: Volkswagen plant den Neuanfang Bild: AP

Kein anderer Autokonzern geht den Umbruch so offensiv an und legt Pläne für seine großen Standorte vor, wie Volkswagen. Damit ermöglicht sich das Unternehmen, künftig eine führende Rolle im Bereich der E-Autos zu spielen.

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          Was Management und Betriebsrat von VW in Wolfsburg als Zukunftspakt vereinbart haben, liest sich beeindruckend. Die Kernmarke soll effizienter und profitabler werden, heißt es. Nur: Eine Umsatzrendite von 4 Prozent ist weder neu, noch sonderlich ehrgeizig.

          Dass im Zeitalter der Elektromobilität weniger Menschen mehr Autos bauen, liegt auf der Hand. Elektroautos sind weniger komplex als Autos mit Verbrennungsmotor.

          Klares Bekenntnis zu Deutschland

          Mit dem Zukunftspakt werden trotzdem für weitere neun Jahre betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Gleichzeitig plant der Konzern den größten Umbau seiner Geschichte. Wegen der Digitalisierung braucht das Unternehmen neue Fachleute, die es aus aller Welt nach Wolfsburg locken will. Sie zu bekommen und für sie den Platz freizumachen, wird nicht einfach, denn oft werden gerade jene Mitarbeiter nicht in Altersteilzeit gehen wollen, die man nicht mehr braucht.

          VW hat mit dem Zukunftspakt ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland abgegeben. In den deutschen VW-Werken soll vom Wissen in der Zellfertigung über die Entwicklung der E-Motoren bis zur Endmontage der Elektroautos auch künftig die Musik spielen. Volkswagen ist seinen Wettbewerbern damit weit voraus.

          VW-Chef Matthias Müller (l.) und Betriebsratschef Bernd Osterloh
          VW-Chef Matthias Müller (l.) und Betriebsratschef Bernd Osterloh : Bild: AFP

          Es gibt bislang keinen anderen Hersteller, der den Umbruch so offensiv angeht und Pläne für seine großen Standorte vorlegt. Darin liegt die Chance für VW, künftig eine führende Rolle bei E-Autos zu spielen. Aber auch hier muss sich erst entscheiden, was in der Elektromobilität in Deutschland zu wettbewerbsfähigen Preisen wirklich hergestellt werden kann. Es ist kein Zufall, dass VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh für die Batterietechnik schon eine Unterstützung durch die Politik anregt.

          Es wird schwer, den Strukurwandel zu bewältigen und gleichzeitig die Produktivität zu steigern, bei der VW lange vor dem Abgasskandal an Boden verloren hat. Markenvorstand Herbert Diess und Osterloh haben Volkswagen mit dem Zukunftspakt große Ziele gesetzt. Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst.

          Dazu kommt das Damoklesschwert des Abgasskandals, der noch lange nicht überwunden ist. Die Profitabilität von VW läge zudem selbst mit den angestrebten 4 Prozent (die man in Wolfsburg freilich schon seit langer Zeit erreichen will) noch weit unter der von Wettbewerbern wie Toyota.

          An diesem Freitag hat die Börse verhalten positiv auf die Pläne reagiert. Jetzt müssen die Wolfsburger schnell anfangen, die Steine wegzuräumen, die dort oft schon seit Jahren den Weg in die Zukunft versperren.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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