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Martin Zielke : Commerzbank-Chef ist neuer Präsident des Bankenverbands

Zielke am 13. Februar Bild: EPA

Wie seine Vorgänger wird Zielke künftig den schwierigen Spagat zwischen Verbandslobbyist und Bankchef vollziehen müssen. An Arbeit dürfte es ihm ohnehin nicht mangeln.

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          An diesem Mittwoch hat der Bundesverband der deutschen Banken für die kommenden drei Jahre seinen neuen Präsidenten gewählt. Einziger Kandidat war der 57 Jahre alte Martin Zielke, im Hauptberuf seit Mai 2016 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank. Schon in dieser Aufgabe ist Zielke spätestens seit Ausbruch der Corona-Krise stark gefordert. Doch die Aufgabe als Präsident des Bankenverbandes erledigt man nicht nebenbei. Zielkes Vorgänger Hans-Walter Peters, der gerade 65 Jahre alt gewordene Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Hamburger Berenberg Bank, wandte zuletzt fast die Hälfte seiner Arbeitszeit für den Verband auf.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Prognose erscheint nicht gewagt, dass die Bewältigung der Corona-Krise Zielkes Präsidentschaft prägen wird. Derzeit stützt sich die Bundesregierung auf etablierte Banken, wenn es um die Auszahlung staatlicher KfW-Kredite geht – zum Ärger manches Fintech-Managers, der seinen digitalen Kreditmarkt gern mit im Finanzhilfen-Spiel sähe. Doch die Banken haben sich nach der Finanzkrise 2008/2009 in der Politik mühsam wieder ein gewisses Ansehen erarbeitet. Es ist allerdings zerbrechlich. Kaum jemand wird das besser wissen als Zielke: Der Bund ist seit elf Jahren mit 15,6 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Stand jetzt hat er mit seinen Commerzbank-Aktien mehr als 4 Milliarden Euro verloren. Und es ist keineswegs ausgemacht, dass in der Corona-Krise am Ende einer Serie von Kreditausfällen nicht wieder Banken vom Staat gerettet werden müssen.

          Wie wird die Wirtschaft wieder belebt?

          Zunächst wird es für Zielke als BdB-Präsident um andere Fragen gehen: Wie wird die Wirtschaft wieder belebt? Braucht es Eurobonds, für die sich sein Vorgänger in der Commerzbank, Martin Blessing, früher starkgemacht hat? Ist es Zeit für eine staatliche Bad Bank, in der europäische Banken notleidende Kredite abladen dürfen? Als Präsident des BdB mit 180 privaten Mitgliedsbanken, darunter große und kleine, international und nur regional tätige, hat Zielke künftig die Chance, sich jeden Tag in politische Debatten einzubringen. Dazu gehört, seine Worte zuzuspitzen. Das liegt ihm, der in seiner Bankkarriere für Privatkunden, Immobilien sowie für Finanzen verantwortlich war, nicht so sehr.

          Zuletzt überzeugte Zielke wenig darin, den im September 2019 vollzogenen Strategieschwenk der Commerzbank zu erklären – etwa, warum sie die überdurchschnittlich profitable M-Bank verkaufen will und die innovative Comdirect im Konzern untergehen lässt. Dabei zeigt er Interesse für Digitalisierung. Der Main-Incubator, von ihm gern die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Commerzbank genannt, ist immerhin an 16 jungen Finanztechnikunternehmen beteiligt. Insofern wird es ihm gefallen, dass Peters den BdB für die außerordentliche Mitgliedschaft von inzwischen rund zwei Dutzend Fintechs geöffnet hat.

          Nicht der erste Commerzbanker an der Spitze

          Um in Europa für private deutsche Banken Interessen durchzusetzen, hat Peters viel mit französischen und niederländischen Verbänden zusammengearbeitet. In Deutschland ist das Verhältnis zu Sparkassen und VR-Banken oft von Interessengegensätzen gekennzeichnet. Da sie regional ausgerichtet sind, ist ihnen ein europäischer Finanzbinnenmarkt nicht wichtig, während Deutsche Bank und Commerzbank als wesentliche BdB-Mitglieder eine „Bankenunion“ fordern, um europaweit leichter Geschäfte machen zu können. Der Verband wäre dafür wohl bereit, die Einlagensicherung zu vergemeinschaften – ein Plan, gegen den Sparkassen und VR-Banken Sturm laufen.

          Diese Interessenkonflikte wird wohl auch Zielke kaum kitten können – zumal er erst vor kurzem Sparkassenverbandspräsident Helmut Schleweis auf einer Tagung für seine Verhältnisse überaus forsch ins Gesicht sagte, dass die Commerzbank gern kommunale Sparkassen kaufen würde – was nach Sparkassengesetzen nicht geht und den Verbund aushöhlen würde. Wie seine Vorgänger wird Zielke künftig den Spagat zwischen Verbandslobbyist und Bankchef vollziehen müssen. Er wird nach Martin Kohlhaussen und Klaus-Peter Müller der dritte BdB-Präsident sein, den die Commerzbank stellt.

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