https://www.faz.net/-gqe-9dell

Fluggesellschaft : Kanadier lenkt Air France-KLM

  • Aktualisiert am

Benjamin Smith kommt von Air Canada. Bild: Reuters

Ein Tarifkonflikt erschütterte die Airline und führte zum Rücktritt des alten Chefs. Nun soll Benjamin Smith die verfahrene Lage klären. Die Gewerkschaften sind skeptisch.

          2 Min.

          Die von einem Tarifkonflikt in die Krise gestürzte Fluggesellschaft Air France-KLM wird künftig vom kanadischen Manager Benjamin Smith gesteuert. Die bisherige Nummer zwei von Air Canada soll spätestens von Ende September an die Geschäfte des französisch-niederländischen Konzerns führen, wie der Verwaltungsrat am Donnerstag entschied. Smith sei als Manager im Luftfahrtsektor international anerkannt. Der 46-Jährige tritt die Nachfolge des im Mai zurückgetretenen Jean-Marc Janaillac an.

          „Ich bin mir bewusst, dass der Konzern derzeit vor Herausforderungen bei der Wettbewerbsfähigkeit steht“, sagte Smith laut Mitteilung. Er äußerte sich aber überzeugt, dass Air France-KLM in den kommenden Jahren einer der weltweit wichtigsten Branchenakteure werden könne.

          Arbeitnehmer skeptisch

          Gewerkschaften in Frankreich bereiteten Smith einen kühlen Empfang. Sie hatten es vor der Personalentscheidung am Donnerstag als „unvorstellbar“ bezeichnet, dass Air France „in die Hände eines ausländischen Managers fällt“, dessen Kandidatur angeblich von einem Konkurrenz-Konzern unterstützt werde. Sie verwiesen damit auf die amerikanische Fluggesellschaft Delta, die 8,8 Prozent an Air France-KLM hält.

          Smith arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten für Air Canada, seine Karriere hatte er 1990 bei der Regional-Fluggesellschaft Air Ontario begonnen. Die erste große Herausforderung bei Air France-KLM dürfte es für ihn werden, eine Lösung für den festgefahrenen Gehaltsstreit zwischen dem Management und den Arbeitgebervertretern zu finden.

          Tarifkonflikt erschüttert Unternehmen

          Der monatelange Konflikt über die künftige Bezahlung bei der französischen Sparte Air France hatte das Unternehmen in schwere Turbulenzen gebracht. Insgesamt gab es 15 Streiktage, die den Konzern im ersten Halbjahr 335 Millionen Euro kosteten. Janaillac war abgetreten, nachdem die Mitarbeiter den jüngsten Gehaltsvorschlag der Firmenspitze in einer Abstimmung abgelehnt hatten. Seitdem wird Air France-KLM von einem Übergangsteam geführt.

          Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire lobte das „exzellente Profil“ Smiths, der Air Canada erfolgreich umgebaut habe. Der französische Staat hält gut 14 Prozent an Air France-KLM. Le Maire und Verkehrsministerin Élisabeth Borne teilten mit, Smith sei „eine Chance für Air France-KLM“. Er habe des volle Vertrauen des Staats und der Hauptaktionäre, um „den sozialen Dialog wiederherzustellen“ und die großen Baustellen des Konzerns zu einem guten Abschluss zu führen.

          Anders als sein Vorgänger Janaillac soll Smith zwar die Geschäfte des Konzerns führen, aber nicht zugleich Präsident des Verwaltungsrats werden. Dieser wird derzeit übergangsweise von der früheren Ministerin Anne-Marie Couderc geführt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump steht innenpolitisch unter Druck, weil er die Pandemie anfangs kleingeredet hatte.

          Vorwürfe gegen Trump : Wie man mit Masken Politik macht

          Kauft Washington überall Atemschutzmasken auf und leitet Bestellungen um? Deutsche und französische Politiker behaupten das. Aber ist an den Beschuldigungen etwas dran – oder ist es nur Anti-Trump-Polemik?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.