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Stahlindustrie : Thyssen-Krupp macht 5 Milliarden Euro Verlust

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Stahlwerk von Thyssen-Krupp in Duisburg Bild: dapd

Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp erwirtschaftet den höchsten Verlust seit dem Zusammenschluss 1999 - insgesamt 5 Milliarden Euro. Allein 3,6 Milliarden Euro Abschreibungen entfallen auf die Unternehmenseinheit Steel Americas.

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          Der Stahl- und Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp hat im vergangenen Geschäftsjahr den höchsten Verlust seit dem Zusammenschluss der beiden Revierkonzerne 1999 erwirtschaftet. Der Fehlbetrag schnellte von im Vorjahr knapp 1,8 Milliarden Euro auf 5 Milliarden Euro hoch, wie das Unternehmen nach der Aufsichtsratssitzung am Montagabend mitteilte. Dabei entfallen allein 3,6 Milliarden Euro Abschreibungen auf die Unternehmenseinheit Steel Americas. Durch die Abschreibungen soll der Weg zu einem baldigen Verkauf der beiden hochdefizitären amerikanischen Stahlstandorte des Konzerns geebnet werden. Aber auch das operative Ergebnis ist gegenüber dem Vorjahr deutlich schlechter ausgefallen.

          Auf die Aktionäre der Thyssen-Krupp AG entfällt im Abschluss 2011/2012 (30. September) ein Verlust von 4,7 Milliarden Euro, nach einem Fehlbetrag von 194 Millionen Euro im zurückliegenden Jahr. Deshalb wird der Hauptversammlung am 18. Januar auch keine Dividendenzahlung vorgeschlagen.

          Der Aufsichtsrat hat ferner die vom Personalrat des Kontrollgremiums vorgeschlagene Aufhebung der Vorstandsverträge mit Edwin Eichler, Olaf Berlin und Jürgen Claassen beschlossen (F.A.Z. vom 7. Dezember). „Das Projekt Steel Americas und die verschiedenen Compliance-Verstöße haben nicht nur einen immensen finanziellen Schaden verursacht. Wir haben dadurch auch an Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren“, wird der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger in der Unternehmensmittelung zitiert. Nun habe der Aufsichtsrat mit den Veränderungen im Vorstand, die mit ihm eng abgestimmt gewesen seien, ein klares Zeichen für einen Neubeginn gesetzt.

          Im Berichtszeitraum hat der Stahl- und Industriegüterkonzern ohne die zum Verkauf gestellten Unternehmen Inoxum (Edelstahl) und Steel Americas einen Auftragseingang von 42,3 Milliarden Euro verbucht, 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Der vergleichbare Umsatz ist um 6 Prozent auf 40,1 Milliarden Euro gesunken. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) hat sich auf 1,4 Milliarden Euro halbiert. Während sich die Industriegüter-Aktivitäten robust entwickelten, fiel das Werkstoffgeschäft erheblich schwächer aus. So sank das Ebit bei Steel Europe von 1,13 Milliarden Euro auf 247 Millionen Euro. Umsatz und Auftragseingang im europäischen Stahlgeschäft fielen um jeweils grob 15 Prozent auf knapp 11 Milliarden Euro zurück.

          Die Konzernfinanzierung sei gesichert

          Dagegen hat der Aufzugsbereich trotz der Marktschwäche vor allem in Südeuropa immerhin noch ein bereinigtes Ergebnis von 587 (Vorjahr: 641) Millionen Euro erwirtschaftet. Im Anlagenbau konnte dieser Wert gar auf 520 (506) Millionen Euro gesteigert werden.

          Die Netto-Finanzschulden sind zwar gegenüber dem Vorjahr um 2,2 Milliarden auf 5,8 Milliarden angeschwollen, haben sich aber in den letzten drei Monaten nicht mehr erhöht. Für den Anstieg sind Mittelabflüsse bei den Geschäftseinheiten Steel Americas und Inoxum verantwortlich. Der Vorstand versichert, dass die Konzernfinanzierung mit liquiden Mitteln und fest zugesagten, freien Kreditlinien in Höhe von 6,7 Milliarden Euro gesichert sei. Im Augenblick haben in der zweiten Verkaufsphase ausgewählte, aber vom Unternehmen nicht benannte Interessenten die Möglichkeit, die beiden Standorte in Brasilien und Alabama genau zu analysieren, um dann verbindliche Kaufangebote einzureichen. Steel Americas wird nun als nicht fortgeführte Aktivität betrachtet. Die erforderlichen Abschreibungen seien aus internen Berechnungen und den Erkenntnissen aus dem laufenden Verkaufsprozess ermittelt worden.

          Der Konzern werde etwa 40 Milliarden Euro umsetzen

          Im abgelaufenen Geschäftsjahr sei durch nachhaltige Maßnahmen des Konzerprogramms „Impact“ ein positiver Beitrag zum Ebit von rund 300 Millionen Euro erzielt worden, heißt es weiter. In den kommenden drei Geschäftsjahren soll darauf aufbauend durch Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsschritte ein positiver Ebit-Beitrag von weiteren 2 Milliarden Euro gesichert werden.

          Im laufenden Geschäftsjahr geht der Vorstand davon aus, dass der Konzern bei überwiegender Stagnation an den Kernmärkten etwa 40 Milliarden Euro umsetzen wird. Bei den fortgeführten Aktivitäten wird ein bereinigtes Ebit von 1 Milliarde Euro avisiert.

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