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Anlage : Solarworld: Mutige Anleger vor

  • -Aktualisiert am

Diese Sonne arbeitet nicht mehr: ein Bild aus besseren Zeiten mit Firmenchef Frank Asbeck Bild: dpa

Solarworld-Chef Asbeck geht trotz Verlusten ab 2013 von einem „Ende der negativen Nachrichten“ aus. Ergibt sich jetzt für Anleger eine Chance nach dem Motto „Buy on bad news“?

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          Die Solarkrise hat die Bonner Solarworld fest im Griff. Vorstandschef Frank Asbeck erwartet nach hohen Abschreibungen und tiefroten Zahlen in den ersten sechs Monaten entgegen früheren Ankündigungen nun auch im Gesamtjahr einen operativen Verlust.

          Als Hauptgrund für die Misere nannte er den Preisverfall, ausgelöst durch das Preisdumping chinesischer Konkurrenten. Wertberichtigungen von rund 120 Millionen Euro sorgten im ersten Halbjahr für einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 143,8 Millionen Euro nach einem Gewinn von 70,5 Millionen vor Jahresfrist. Analysten hatten aber noch mit Gewinnen gerechnet. Unter dem Strich lag das Minus bei 159,3 (Vorjahr: plus 22,2) Millionen Euro. Der Umsatz brach trotz Absatzzuwächsen auf 340 (533,6) Millionen Euro ein.

          „Chinesische Hersteller brechen die Regeln“

          Der Solarkonzern hatte zum Jahresauftakt noch von einer Sonderkonjunktur vor den anstehenden Förderkürzungen profitiert und mehr verdient als von Experten erwartet. Wegen des Preisverfalls und hoher Abschreibungen hatte Solarworld bereits im Jahr 2011 bei einem Umsatzrückgang auf rund eine Milliarde Euro einen Fehlbetrag von knapp 300 Millionen Euro verbucht. Operativ lag das Minus damals bei 233,2 Millionen Euro. In einem Brief an seine Aktionäre schreibt Vorstandschef Frank Asbeck, man durchlebe derzeit stürmische Zeiten. „Die Windstärke hat in den vergangenen Monaten zugenommen.“

          Der Schuldige für die eigene Misere ist auch schon gefunden: Die Chinesen. „Chinesische Hersteller brechen die Regeln und führen einen Handelskrieg“, heißt in dem Brief weiter. Mit illegalem Preisdumping versuchten sie, die Konkurrenz vom Markt zu verdrängen. Doch dürften weder Europa noch die Amerika eine Schlüsseltechnologie wie die Photovoltaik aus der Hand geben.

          Doch bei allen unternehmenspolitischen Äußerungen – Anleger und Aktionäre schauen immer erst auf Zahlen und Aktienkurse. Und bei einer Solarworld-Aktie bekommt man nun es langsam mit der Angst zu tun. Seit Anfang 2010 hat die Aktie mehr als 90 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Die Anleger reagierten auf die jüngste Hiobsbotschaft erneut schockiert: Die im TecDAX notierten Solarworld-Aktien verloren zeitweise mehr als 13 Prozent an Wert.

          Wer nicht wagt.....

          Nun könnten Erinnerungen aufkommen, die einem sagen, dass wir mit einer Infineon-Aktie beispielsweise die gleichen dramatischen Ereignisse schon einmal auf deutschen Parketts miterlebt haben – das Unternehmen aber dann nach Jahren doch wieder die Kurve bekommen hat. Und Anleger, die bei dem damaligen Pennystock Infineon eingestiegen sind, für ihren „Mut“ später fürstlich belohnt wurden. Doch Infineon ist nicht Solarworld. Die Solar-Branche scheint eine härtere zu sein.

          Vielleicht braucht es auch in diesem Fall ein bisschen Anlegermut. Immerhin gibt sich der Vorstand kämpferisch. „Dem Preisdumping müssen wir mit technologischen Innovationen begegnen“, sagte Frank Asbeck bei der Zahlenbekanntgabe. In einem Interview mit Reuters sagte er zudem: „Wir erwarten 2013 ein Ende der negativen Nachrichten“. Wann Solarworld aber wieder Gewinne schreibe, das stehe „in der Sonne“. Derzeit arbeite Solarworld mit Volldampf an Kostensenkungen - beim Personal wie auch beim Materialeinkauf. Zudem solle Ende 2012 eine neue Generation von Solarmodulen auf den Markt kommen, die Leistungssteigerungen von rund zehn Prozent versprechen.

          Asbeck äußerte sich auch zuversichtlich, mit seinen Anti-Dumping-Klagen in Europa und den USA erfolgreich zu sein. „Ich erwarte, dass die EU-Kommission Anfang September die Beschwerde annehmen wird.“ In den USA rechne er damit, dass in der endgültigen Entscheidung die Strafzölle noch höher ausfallen werden als bislang. Dass der Mann nicht alles für sein Unternehmen gibt, kann man nicht abstreiten. Er will sogar so lange auf Gehalt und Dividende verzichten, „bis der Konzern wieder Gewinne schreibt“. Kann ich als Anleger das künftig auch noch? Gewinne machen mit Solarworld?

          Allzeittief nicht mehr weit entfernt

          Wer in den vergangenen 24 Monaten bei der Aktie eingestiegen war, muss wohl heute beim Anblick seines Depots ganz tief durchatmen. Das Allzeittief ist nicht mehr weit. Bei 1,02 Euro stand die Aktie schon. Kurz vor der Pennystock-Marke. Dass diese Marke gerissen wird, ist nun nicht mehr auszuschließen. Aber wer wiederum an das große Comeback der Solarworld-Aktie glaubt, der könnte nun durchaus eine kleine Position eingehen – mit dem Beispiel Infineon im Hinterkopf.

          Natürlich könnte man auch „zocken“ und denken, dass das Solar-Papier weiter gen Süden streben wird. Für ein solches Szenario würde man dann auf eines der üblichen Derivate-Produkte zurückgreifen und an weiter sinkenden Kursen mitverdienen. Beispielsweise mit Hilfe eines Solarworld WAVE Unlimited Put von db-x-markets. Mit einem Hebel von 1,02 und einem Basispreis von 2,39 Euro ist dieses noch ein moderates Hebelpapier (WKN: DX0D74) mit überschaubaren Risiko. Als Anleger hat man aber noch neben einem direkten Aktien und Derivate-Engagement eine dritte Möglichkeit, bei Solarworld aktiv zu werden.

          Mit einer Anleihe (WKN: A1CR73), die erst im Jahr 2017 fällig wird. Für ein Engagement muss der Anleger lediglich das Vertrauen mitbringen, dass der Tec-Dax-Konzern dann in fünf Jahren auch die nötige Refinanzierung dieser Anleihe stemmen kann. Das sollte aber wohl klappen. Denn wie schrieb Solarworld-Chef Asbeck in seinem Aktionärsbrief: „Gewinnen wird die SolarWorld letztlich, weil sie Kunden weltweit mit Qualität und Innovationen überzeugt und das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet. Dafür werden unsere Mitarbeiter und ich unsere ganze Kraft einsetzen und so diese stürmischen Zeiten sicher überstehen.“

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