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Informationstechnologie : Die Software AG bekommt einen Chef von IBM

Er geht nach 15 Jahren: Karl-Heinz-Streibich, hier mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Cebit, verlässt im Sommer sein Unternehmen. Bild: obs

Sanjay Brahmawar wird der neue Vorstandsvorsitzende der Software AG. Jetzt geht es weiter in Richtung Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz.

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          Die Mitarbeiter des zweitgrößten deutschen Softwarekonzerns machen im Sommer eine Erfahrung, die bisher nur wenige von ihnen gemacht haben: An der Spitze des Unternehmens wechselt der Chef. Es wird ein Einschnitt sein, ein Generationswechsel – und eine Internationalisierung an der Spitze, mit allen Chancen und Risiken. Der neue Vorstandsvorsitzende des Darmstädter Softwarekonzerns Software AG und Nachfolger des nun seit 15 Jahren amtierenden Chefs Karl-Heinz Streibich wird der in Indien geborene Sanjay Brahmawar. Das hat der Aufsichtsrat des Unternehmens in einer Sitzung am späten Mittwochabend beschlossen. Im August tritt Brahmawar sein Amt an.

          Brahmawar ist derzeit im Range eines General Managers im amerikanischen Computerkonzern IBM für die Verbindung der Künstlichen Intelligenz mit dem Internet der Dinge zuständig. Im Hause IBM heißt das dann „Watson IoT“ – wobei der Name Watson für die Angebote der Amerikaner rund um die Künstliche Intelligenz steht. Streibich wiederum scheidet mit 65 Jahren altersbedingt aus dem Unternehmen aus.

          Zuletzt erheblich in das Internet der Dinge investiert

          Brahmawar war bei IBM bisher für den Aufbau, die Leitung und die Transformation des Geschäftsbereichs Watson Internet of Things (IoT) auf der ganzen Welt zuständig – und betreibt dieses Geschäft von München aus. Grundsätzlich geht es dabei darum, aus der enormen Menge an Daten, die digital vernetzte Maschinen, Geräte und Produkte täglich generieren, neue Erkenntnisse zu gewinnen. In das Geschäft mit dem sogenannten Internet der Dinge hat auch die Software AG in den vergangenen Jahren erheblich investiert, unter anderem durch Unternehmensübernahmen. Eine ebenso große Rolle spielen in der Strategie der Darmstädter Datenplattformen und die Künstliche Intelligenz.

          Der bislang agierende Vorstandschef Streibich hatte das Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht nur neu ausgerichtet, er hat es auch fit für die Zukunft gemacht. Als er seinen Posten 2003 antrat, hatte er schon eine ansehnliche Karriere mit Stationen bei ITT, Daimler und T-Systems hinter sich. Die Software AG jedoch stand kurz vor dem Absturz. Ihre Produktpalette war veraltet, die Kundschaft unzufrieden, die Konkurrenz übermächtig. Der Kurs der Aktie an der Börse befand sich im Sinkflug.

          Streibich riss den Konzern mit harter Hand und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein vom Abgrund zurück. Er stabilisierte erst das bestehende Geschäft und baute dann neue Sparten auf. Schließlich ging der diplomierte Nachrichtentechniker auf Einkaufstour. Er kaufte ein handvoll Großunternehmen und ein Dutzend kleinerer Firmen zu, verankerte das Darmstädter Softwarehaus mit einer Dependance im Silikon Valley, verdoppelte den Umsatz, Vervielfachte den Gewinn und ließ den Aktienkurs von damals 5 auf heute mehr als 40 Euro steigen. Einen nachhaltigen Sprung über die Umsatzgrenze von einer Milliarde Euro allerdings schaffte er nicht.

          Der nächste Chef der Software AG: Sanjay Brahmawar
          Der nächste Chef der Software AG: Sanjay Brahmawar : Bild: IBM

          Diese Aufgabe dürfte im Lastenheft seines Nachfolgers stehen. Zahlreichen heutigen und künftigen Kunden der Software AG dürfte Brahmawar nicht völlig unbekannt sein. Denn er war zuvor General Manager Europe des Industriesektors von IBMs Consultingsparte. Verantwortlich war er dabei für ein Portfolio von Kunden in der Erdöl-, Automobil-, Luftfahrt-, Elektronik- und Fertigungsindustrie in Europa. Zuvor war Brahmawar für den Logistikdienstleister Fedex in Belgien tätig. Eine weitere berufliche Station hatte er noch davor als Managing Consultant des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshauses PWC in den Niederlanden.

          Brahmawar hat einen MBA-Abschluss in Finance & Marketing von der Universität Leeds und einen Bachelor of Civil Engineering vom Delhi College of Engineering. Der Manager ist verheiratet, hat zwei Söhne und ist vor einiger Zeit von London nach München umgezogen, wo er in seiner Freizeit Golf spielt und Ski fährt. Im August wird Darmstadt seine neue Heimat.

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