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F.A.S. exklusiv : Corona steigert die Rente

Rentner an der Côte d'Azur in Nizza. Bild: AFP

In der Corona-Krise sinken die Löhne, dann steigen sie wieder. Allein das führt dazu, dass die Rentenversicherung künftig jedes Jahr zusätzliche Milliarden auszahlt.

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          Die Corona-Krise steigert die Renten. Das Ab und Auf der Wirtschaft in der Pandemie führt dazu, dass die Zahlungen künftig um drei bis vier Milliarden Euro jährlich höher ausfallen – so hat es das Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik für die F.A.S. ausgerechnet.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Hintergrund ist die Wirkung der sogenannten Rentengarantie. Wegen der Pandemie sind die Löhne in Deutschland im vergangenen Jahr gefallen, die Rentenversicherung gibt einen Rückgang von 2,3 Prozent an  – die Renten sinken aber nicht entsprechend mit. Nach der Krise werden die Löhne wieder das alte Niveau erreichen. Das wiederum gilt für die Rente als Lohnerhöhung, und die Renten steigen mit. Seit 2018 steigen die Renten auch dann, wenn die Lohnsteigerungen nur frühere Lohnrückgänge ausgleichen. Damals wurde der so genannte „Nachholfaktor“ in der Rente gestrichen. Der Effekt: Das reine Ab und Auf der Wirtschaft steigert die Renten, auch ohne dass die Löhne steigen.

          Die Streichung des Nachholfaktors erhöht die Renten um Milliarden

          Nächstes Jahr wird diese zusätzliche Rentenerhöhung vier Milliarden Euro ausmachen, prognostiziert Max-Planck-Professor Axel Börsch-Supan. In den Jahren darauf sind es drei Milliarden Euro, dauerhaft. „Wegen des ausgesetzten Nachholfaktors summiert sich das bis 2050 zu fast 100 Milliarden Euro“, sagte Börsch-Supan der F.A.S. Die Zahlen sind inflationsbereinigt.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte eine Korrektur der Rentenformel bereits im vergangenen Jahr abgelehnt, als Rentenfachleute diesen Mechanismus kritisiert hatten. Jetzt lässt sich abschätzen, wie viel der Effekt ausmacht.

          Die Deutsche Rentenversicherung verwies gegenüber der F.A.S. auf statistische Sondereffekte. Sie erschwerten die Berechnung. Das Sozialministerium betonte, dass die Renten noch nicht in diesem Jahr steigen. Der rentenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Johannes Vogel, kritisierte die Rentensteigerung: „Die Zahlen belegen erneut, was wir schon lange fordern: Die Bundesregierung muss den Nachholfaktor wieder einführen. Ich freue mich über jeden Cent, den Rentnerinnen und Rentner mehr in der Tasche haben. Gleichzeitig ist es eine Frage der Fairness, dass sich Löhne und Renten langfristig im Gleichschritt bewegen.“

          Rentner können zudem auf weitere Entlastung hoffen: Noch im Mai will Deutschlands oberstes Steuergericht über eine Klage entscheiden, die Rentnern mehrere Hundert Euro im Jahr bringen könnte.

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